Prozess gegen sechs Mongols

Schöffin aus Angst vor Rockern befangen

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Stade - Ein Prozess vor dem Landgericht Stade gegen sechs Mitglieder einer Rockerbande hat am Freitag mit einer Unterbrechung begonnen. Eine Schöffin hatte sich aus Angst vor möglichen Racheakten für befangen erklärt.

Das Gericht setzte das Verfahren im Anschluss an die Verlesung der Anklage zunächst aus, um nach der Ernennung einer Ersatzschöffin die Frist einzuhalten. Die 26 bis 30 Jahre alten Angeklagten aus Cuxhaven und Bremen sollen als Mitglieder des Rockerklubs Mongols im September 2013 in Freiburg an der Elbe Rivalen vom Klub Gremium MC in einem Festzelt überfallen und vier von ihnen mit Messern und Baseballschlägern verletzt haben, zwei davon lebensgefährlich.

Da beide beteiligten Klubs der gewaltbereiten organisierten Kriminalität zugerechnet werden, findet der bis Januar 2015 terminierte Prozess unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Zwei vermummte Einheiten der Bereitschaftspolizei sorgten am Freitag vor dem weiträumig abgesperrten Gerichtsgebäude dafür, dass unter anderem das Kuttenverbot eingehalten wurde. Der Prozessbeginn verzögerte sich durch umfangreiche Sicherheitskontrollen auch innerhalb des Landgerichts: Sowohl die rund 40 Zuschauer im Publikumsraum als auch die Journalisten mussten unter anderem ihre Schuhe ausziehen, um das Einschmuggeln von Waffen zu verhindern. „Es ist alles friedlich geblieben“, sagte Polizeisprecher Rainer Bohmbach im Anschluss.

Im Schwurgerichtssaal trennt eine Glasscheibe die Angeklagten vom Publikum. Die sechs Männer sollten sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes verantworten. Das Gericht verdeutlichte jedoch am ersten Verhandlungstag, dass es bis auf Weiteres von mutmaßlich versuchtem Totschlag ausgeht. Als Mordmerkmal kämen zwar niedere Beweggründe in Betracht. Doch solange die Rocker schweigen, dürfte dies schwer nachzuweisen sein. Schweigen gehört in Kreisen der organisierten Banden indes zum Verhaltenskodex. „Bisher gibt es keine Hinweise, dass sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern wollen“, sagte Gerichtssprecherin Petra Baars nach dem ersten Verhandlungstag.

Verlesen wurde am Freitag außer der Anklage auch der Brief der ursprünglich vorgesehenen Schöffin, die sich gegenüber dem Vorsitzenden Richter für befangen erklärte, weil sie die Rocker auf der Anklagebank und ihre Unterstützer für extrem gefährlich hält. „Da habe ich Angst um mich und um meine Kinder und Enkelkinder“, hatte die erfahrene Schöffin geschrieben. „Ich kann nur auf Freispruch entscheiden.“ Der Prozess soll am kommenden Dienstag fortgesetzt werden. An bisher 33 angesetzten Verhandlungstagen will das Gericht etliche Zeugen auch aus dem Rockermilieu hören. „Wir sind weiter gut vorbereitet“, sagt Polizeisprecher Bohmbach.

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