Norwegische Forschung

Schönheit macht süchtig

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- Norwegische Forscher haben herausgefunden, dass attraktive Frauengesichter auf Männer ähnliche Wirkungen haben wie Rauschmittel.

Ob Mona Lisa, Marilyn Monroe oder Madonna: Weibliche Schönheit wirkt auf Männer nicht nur berauschend wie eine Droge. Attraktive Frauengesichter können den Betrachter sogar ebenso süchtig machen wie Rauschmittel, haben norwegische Wissenschaftler jetzt in einer Versuchsreihe herausgefunden.

Die Forscher aus Oslo haben mit ihrem Test die Wahrnehmung von Schönheit neu definiert. Laut ihrer im Fachmagazin „Molecular Psychiatry“ veröffentlichten Studie stimulieren hübsche Gesichter das Endorphin ausschüttende Belohnungssystem des Gehirns. Ganz ähnlich wie es bei der Einnahme von Rauschmitteln, bei gutem Essen oder Sex geschieht. Als bei einer Versuchsreihe heterosexuelle Männer schöne, weibliche Gesichter betrachteten, wurde bei ihnen der gleiche Teil im Hirn stimuliert, wie bei der Einnahme des Opiats Morphin.

Für ihre Versuchsreihe hat die norwegische Psychologin Olga Chelnokova insgesamt 30 heterosexuelle Männer in Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt in sehr geringer Dosis die Droge Morphin. Diese Substanz stimuliert die entsprechenden Rezeptoren im Belohnungssystem des Gehirns, das daraufhin Endorphine ausschüttet. Die zweite Gruppe erhielt dagegen ein Mittel, das das Belohnungssystem blockierte.

Den Mitgliedern beider Gruppen wurden 40 Fotos mit weiblichen Gesichtern gezeigt, die zuvor von einer unabhängigen Gruppe Männer ohne jegliche Beeinflussung bewertet wurden. Deren Rangordnung der Frauenfotos galt dann als objektive Messlatte für die beiden Testgruppen. „Wenn Menschen Gesichter anschauen und beurteilen, wie attraktiv sie sind, sind sie nicht so subjektiv, wie wir glauben. Fakt ist, dass die meisten Beurteilungen sehr übereinstimmen“, erklärt Chelnokova.

Die Ergebnisse bestätigten die Vermutung der Forscherin: Die zuvor bereits in der Kontrollgruppe als am hübschesten eingestuften Gesichter erhielten bei den Teilnehmern, die unter Morphineinfluss standen, deutlich höhere Attraktivitätswerte als in der Testgruppe, die das Belohnungssystem hemmende Mittel einnehmen musste. Die Gruppe, der Morphin verabreicht wurde, war zudem bestimmter darin, die 40 Frauengesichter in ihrem Attraktivitätsgrad zu ordnen.

Die Männer der Morphingruppe verblieben auch deutlich länger bei Gesichtern, die die Kontrollgruppe attraktiv fand, und klickten Fotos mit weniger attraktiven Gesichtern schneller weg. Durch die vermehrte Endorphinausschüttung sollen sie zudem die schönen Frauengesichter als noch schöner empfunden haben – ein weiterer Gegensatz zu den Männern der Kontrollgruppe.

„Das Endorphinsystem hilft uns, Dinge zu bevorzugen, die einen hohen Belohnungswert haben. Evolutionsmäßig dient dies zum Überleben“, sagt Chelnokova. Warum Menschen anscheinend relativ übereinstimmend bestimmte Gesichter als attraktiv und andere als weniger attraktiv beurteilen, kann die Forscherin jedoch nicht sagen. Das habe vermutlich einen evolutionstheoretischen Hintergrund.

Endorphine werden als sogenanntes körpereigenes Morphin unter anderem zur Schmerzstillung ausgeschüttet. „Die Resultate der norwegischen Studie zeigen auf, dass Endorphine anscheinend auch eine wichtige soziale Funktion haben, weil sie unser Gefühl für die Attraktivität anderer Menschen mit beeinflussen“, betont Chelnokova.

Von Andre Anwar

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