Himalaya

Schon mehr als 5500 Tote nach Erdbeben

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Foto: Menschen auf einem von Trümmern umsäumten Platz in Kathmandu

Kathmandu - Nach dem schweren Erdbeben in Nepal ist die Zahl der Toten weiter angestiegen. Die Hilfe kommt nur schleppend voran: Trümmer, fehlende Kommunikation und Regen erschweren die Arbeit der Rettungsteams. Die Aufgabe ist gewaltig: Fast drei Millionen Menschen sind obdachlos.

Fünf Tage nach dem schweren Himalaya-Erdbeben ist die Zahl der Toten auf mehr als 5500 gestiegen. Die Behörden in Nepal sprachen am Donnerstag von 5489 Toten; in den Nachbarländern Indien und China starben zusammen mindestens 100 Menschen. Schwere Regenfälle erschweren mittlerweile die Arbeit der Rettungskräfte in der bergigen Region; Helfer befürchten Erdrutsche.

Die nepalesische Armee begann nach eigenen Angaben damit, in den besonders schwer betroffenen Gebieten Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. 90 Prozent aller Soldaten und 33 000 Polizisten seien im Einsatz. Das Beben mit der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile des Himalaya erschüttert.

Nur zwei Helikopter

Die Arbeit der Helfer kommt derweil weiter nur schleppend voran. Trümmer, fehlende Logistik und der schlechte Handy-Empfang erschweren den Helfern die Arbeit im Erdbebengebiet. Das berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) in der Nacht zum Donnerstag. Manche Gegenden könnten nur zu Fuß erreicht werden, seien aber vier bis fünf Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Es stünden nur zwei Helikopter zur Verfügung, um Nahrungsmittel im Distrikt Gorkha zu verteilen, wo das Epizentrum des Bebens lag. Auch gebe es nicht ausreichend Treibstoff.

Unterstützung für die Menschen in Nepal kommt aus aller Welt - von einfachen Menschen im Nachbarland Indien, die Essenspakete schicken, bis hin zu US-Präsident Barack Obama, der mit Nepals Ministerpräsident Sushil Koirala telefonierte. Auch Fußballstars gehören zu den Unterstützern. Bei der Partie der spanischen Clubs Real Madrid gegen Almería legten die Spieler eine Schweigeminute ein und trugen T-Shirts mit der Aufschrift: "Todos con Nepal" (Alle für Nepal).

Die Zahlen der Vereinten Nationen machen das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich: Acht Millionen Betroffene, davon brauchen 3,5 Millionen Menschen Nahrungsmittel. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos. Bislang gelingt es nur einzelnen Teams, Kathmandu zu verlassen. US-Katastrophenhelfer haben die stark betroffene Stadt Bhaktapur erreicht, um nach Verschütteten zu suchen, sagte die Sprecherin im State Department, Marie Harf.

Die UN koordiniert mittlerweile mehr als 1700 spezialisierte Helfer aus mindestens 22 Ländern in Nepal, darunter mindestens 58 Deutsche. Derzeit verteilen sie vor allem Planen, Zelte, Decken und Hygiene-Sets. Allerdings mache es ihnen zu schaffen, dass es in den Zeltstädten keine Verwaltung gebe und bislang keine Daten erhoben wurden, was die Menschen dort brauchen.

Zahlreiche Bewohner Nepals sind wütend auf die Regierung ihres Landes. Sie glauben, dass nicht genug getan wird, um Lebensmittel und Wasser zu verteilen. Als Premierminister Koirala den Stadtteil Basantapur in Kathmandu besuchte, hätten zahlreiche Überlebende ihn umzingelt und ihrem Zorn Ausdruck verliehen, berichtete die Zeitung "Kantipur" online. Hunderte Menschen hätten auch vor Regierungsgebäuden demonstriert. Sie forderten demnach, die Regierung solle Busse zur Verfügung stellen, damit sie Kathmandu verlassen und zu Verwandten fahren können.

dpa

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