Gymnasiasten vertreiben Parfüm

Schüler schnuppern in die Wirtschaft

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Foto: Kim Rospond (l.) und Martin Becker präsentieren ihr Parfüm.

Holzminden - Pfiffige Gymnasiasten aus Holzminden haben mit Unterstützung der Firma Symrise ganz besondere Parfüms auf den Markt gebracht. Sie riechen nicht nur gut, sondern sind auch erschwinglich.

Eine Parfümfirma setzt Duftnoten ganz eigener Art. Die Bilanz ist traumhaft. Der Wert der Aktie hat sich um rund 800 Prozent erhöht – von 10 auf 82 Euro. In einem Dreivierteljahr! Dabei sind die Firmenmanager von C/MOI keineswegs Profis. Und alte Hasen schon gar nicht. C/MOI ist eine sogenannte Schülerfirma, gegründet und betrieben von 18 Elftklässlern des Campe-Gymnasiums in Holzminden.

Der Erfolg beschränkt sich nicht auf das Wirtschaftliche. Bei einem Landeswettbewerb von 26 sogenannten Junior-Unternehmen in Niedersachsen belegten die Schüler aus Holzminden jüngst Platz eins. Und die Gymnasiasten greifen schon nach höheren Sternen: Am 19. Juni wollen sie zum Bundesentscheid nach Hamburg fahren, um beste Schülerfirma der Republik zu werden.

Der Firmenname ist Programm. C/MOI ist dem französischen „c’est moi“ entlehnt und bedeutet „Das bin ich“. Dahinter steht die Idee, für jeden Typ den passenden Duft zu entwickeln. „Jeder sollte seine Persönlichkeit, seinen Charakter in unseren Duftnoten wiederfinden“, heißt es im Firmenprospekt. Als Hilfe zur Typfindung bietet C/MOI einen Fragebogen an – jeweils für Männer und Frauen. Am Ende erfährt man, ob man eher als leger, elegant oder sportlich einzustufen ist. Und welches Parfüm dazu passt. Als Hit für Männer hat sich „Homme Léger“ erwiesen. „Mit Koriander, Weihrauch-Harz und Vanille betonen Sie Ihre Gelassenheit“, empfiehlt C/MOI. „Der Pfeffer sorgt für die Extra-Würze!“

Insgesamt hat die Schülerfirma sechs Parfüms im Angebot, die nicht nur gut riechen, sondern mit einem Preis von jeweils 10 Euro auch erschwinglich sind und das Öko-Gewissen beruhigen. Anders als üblich sind die Duftstoffe nicht in Alkohol, sondern in Bioethanol gelöst; der Flakon besteht aus Altglas und die Verpackung aus Altpapier und ökologisch abbaubaren Stoffen.

Die Idee war naheliegend. Denn Holzminden ist die Stadt der Duftstoffe und Geschmacksaromen, seit Wilhelm Haarmann hier 1874 das künstliche Vanillin erfunden hat. Heute lässt der Weltkonzern Symrise die Schornsteine duften - gestern erst hat der Duft- und Aromenhersteller eine neue Anlage zur Herstellung von synthetischem Menthol in Betrieb genommen und in die Verdoppelung seiner Mentholkapazitäten 16 Millionen Euro inverstiert.

Symrise ist somit der entscheidende Partner der Schülerfirma. In einem Kurzlehrgang ließen sich fünf Schüler mit guter Nasen in der Parfürmerieschule des Konzerns zu Parfümeuren ausbilden und kreierten daraufhin in Zusammenarbeit mit Symrise die verschiedenen Parfüms. Jannik Wegener riecht die Welt seither mit einer anderen Nase: „Man nimmt die Düfte sehr viel intensiver wahr“, sagt der 17-Jährige. „Man riecht einen Apfelbaum anders als vorher.“

Jetzt liefert Symrise nach der entwickelten Rezeptur den Duftstoff, der von den Schülern abgefüllt, verpackt und verkauft wird. Die Schüler bieten ihre Produkte nicht nur über örtliche Verkaufsstellen an, sondern auch im Internet. Mit Erfolg. Gut 600 Fläschchen haben sie schon verkauft, am Schuljahresende sollen es mehr als 2000 sein.

Und dann ist es auch schon vorbei mit C/MOI. Denn nach den Richtlinien des Juniorprogramms muss sich die Schülerfirma am Ende der 11. Klasse auflösen. Eine zweite Hauptversammlung wird entscheiden, was aus dem Betriebskapital wird. Theoretisch können die 90 Anteilseigner, die im Herbst 2011 eine Aktie für zehn Euro erwarben, auf die Auszahlung des Achtfachen hoffen - darunter der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, der einst selbst das Campe-Gymnasium in Holzminden besuchte. Denkbar ist aber auch, dass der Gewinn für Umweltprojekte gespendet wird, die schon jetzt mit einem Euro pro Fläschchen gesponsert werden.

Die Firmenbetreiber dagegen werden sich wohl weiter in Bescheidenheit üben. Ihre Arbeitszeit ließen sie sich bisher nur mit 50 Cent pro Stunde vergüten – um auch diesen kargen Lohn noch zu spenden. Der Gewinn liegt auf einer anderen Ebene. „Das war eine spannende Erfahrung, selbst Parfüm zu machen“, sagt Kim Rospond. Kollege Jannik kann sich gut vorstellen, einmal Profiparfümeur zu werden. Ein Praktikumsplatz bei Symrise ist ihm schon sicher. „Durch dieses Projekt haben sich Pforten für uns geöffnet“, sagt C/MOI-Vorstandschef Marvin Becker. Der Elftklässler hat fest vor, seine Managementerfahrungen weiterzuentwickeln.

„Die Schüler lernen hier praxisnah, was das Wirtschaftsleben ausmacht“, sagt Politiklehrer Christoph Bolte, der als Schulpate von C/MOI firmiert und die Schüler zwei Stunden pro Woche im Seminarfach unterrichtet. Das Unternehmensziel sei erreicht: „Aus einer Geschäftsidee ist ein verkaufsfähiges Produkt geworden.“

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