Wegen Streit um muslimischen Schützenkönig

Schützenwesen wird vorerst nicht Weltkulturerbe

+

- Das Schützenwesen in Deutschland wird vorerst nicht Teil des Weltkulturerbes. Grund für die Ablehnung ist der Umgang mit einem muslimischen Schützenkönig im westfälischen Werl im vergangenen Jahr. Das berichtet die „Westfalenpost“.

Das Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission habe den Antrag auf eine Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes zurückgestellt, berichtete die "Westfalenpost" in Hagen am Dienstag. Begründet worden sei dies damit, dass dem muslimischen Schützenkönig als Nicht-Christ die Teilnahme am Bezirksschützenfest verweigert wurde.

Die Unesco-Kommission und die betroffene Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der "Westfalenpost" zufolge heißt es im Brief der Kommission an die Schützen, dass "wegen der schroffen und ausgrenzenden Reaktionen auf nicht 'biodeutschen' Maßstäben" entsprechenden Schützenkönigen eine "zivilgesellschaftlich zugängliche und offene Traditionspflege zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt werden kann." Deshalb sei die Bewerbung zurückgestellt worden.

Er wollte doch nur Schützenkönig sein: Mithat Gedik (Mitte) hatte im Juli 2014 beim Schützenfest in Werl-Sönnern (Nordrhein-Westfalen) die Königswürde erlangt, doch der Verband wollte keine Muslim als Würdenträger der ausdrücklich katholischen Bruderschaft.

Quelle: dpa/Archiv

"Eine Betonung des historischen christlichen Gründungszwecks betroffener deutscher Schützenverbände macht für die Experten nicht einsichtig, weshalb dieser Zweck heutzutage durch religiöse Öffnung gefährdet sein sollte", heißt es demnach in dem Brief weiter.

Der Fall hatte im vergangenen Jahr bundesweit für Empörung gesorgt. Ursprünglich wollte der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) dem türkischstämmigen Schützenkönig den Königstitel verweigern. Begründet wurde dies damit, dass die Vereinssatzung eine Mitgliedschaft auf Christen beschränkt. Nach Protesten durfte der Schützenkönig seinen Titel der Werler Schützenbrüder zwar behalten, eine Ausübung seines Titels auf Bezirksebene und die Teilnahme am Bezirksschützenfest wurden ihm aber weiter verweigert. Der BHDS sieht sich als eine explizit katholische Bruderschaft.

afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare