Teilhabepaket reicht nicht aus

Schulanfang kommt Eltern teuer zu stehen

+
Foto: Die Ausstattung für Schulanfänger kostet nach Berechnungen des DIakonsichen Werks im Schnitt 451 Euro.

Hannover - Der Start in die Schule ist teuer, auch die Anschaffungen für die nachfolgenden Klassen kosten viel Geld. Für Familien mit geringem Einkommen stelle das eine kaum überwindbare finanzielle Hürde dar, kritisiert das Diakonische Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover.

„Die 100 Euro pro Schuljahr, die Eltern bedürftiger Kinder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes erhalten, reichen bei Weitem nicht aus“, betont Diakoniedirektor Christoph Künkel. Er fordert eine deutliche Aufstockung des Bundesprogramms und plädiert dafür, wieder die Lernmittelfreiheit einzuführen.

Künkel kann seine Forderungen mit Zahlen untermauern. In einer exemplarischen Erhebung hat die Diakonie im Kreisverband Hildesheim 41 Materiallisten für den Schulbedarf ausgewertet, die die Schulen für die Klassenstufen 1 bis 10 verteilt hatten. Anhand der Angaben ermittelten die Diakoniemitarbeiter die Mindestkosten der jeweils benötigten Schulmaterialien und setzten für ihre Berechnungen Pauschalen an. Die Daten aus sechs Grund- und zwei Hauptschulen, einer Real- und einer Gesamtschule sowie einem Gymnasium flossen ein.

Das Ergebnis: Für Schulanfänger betragen die Kosten im Schnitt 451 Euro, in den Klassenstufen 2 bis 4 variieren die Beträge pro Schuljahr zwischen 222 und 241 Euro, weil bereits die wichtigsten Utensilien angeschafft wurden. Einen erneuten Sprung gibt es ab Klasse 5 mit 466 Euro, in Klasse 7 schlagen die nötigen Anschaffungen mit 536 Euro zu Buche, während in der zehnten Klasse noch 190 Euro bezahlt werden müssen.

„In jedem Fall zeigt sich, dass die Summen aus dem Teilhabepaket viel zu gering sind“, sagt Diakoniemitarbeiterin Bettina Mai. Kollegin Susanne Gottschalk berichtet von einer Familie, die nach der Erkrankung des Vaters auf Sozialleistungen angewiesen ist und dessen Sohn auf ein naturwissenschaftliches Gymnasium gehen will. Die Kosten für das vorgeschriebene Netbook konnten die Eltern nicht aufbringen, einen Darlehensantrag habe das zuständige Jobcenter abgelehnt. Schließlich habe sich die Familie das Geld bei Freunden und Verwandten erbitten müssen.

„Die Betroffenen werden zu Bittstellern – das sind untragbare Verhältnisse“, kritisiert Diakoniedirektor Künkel. Um ein Zeichen zu setzen, werde die Diakonie in der Region Hildesheim 300 bedürftige Kinder, die in diesem Sommer eingeschult werden oder an eine weiterführende Schule kommen, mit einem Gutschein von jeweils 100 Euro unterstützen. Auch die evangelischen Schulen in der hannoverschen Landeskirche engagierten sich, etwa mit Hausaufgabenhilfe.

Nach Ansicht Künkels muss der Bund schnellstmöglich die Zahlungen aus dem Teilhabepaket für den Schulbesuch deutlich aufstocken. An das Land appelliert er, die Lernmittelfreiheit wieder einzuführen. Zwar könnten Schulbücher ausgeliehen werden, doch der Anteil der Bände oder auch Arbeitshefte, die selbst angeschafft werden müssten, nehme stetig zu.

Aus dem Kultusministerium heißt es dazu, Familien mit geringem Einkommen seien von den Leihgebühren für Bücher befreit. Allein in diesem Jahr habe das Land 3,39 Millionen Euro bereitgestellt, um die Ausleihkosten zu übernehmen. Das Sozialministerium des Landes leitet die Beträge aus dem Teilhabepaket des Bundes nur weiter und ist nicht für die Höhe der Summen zuständig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare