Pressekonferenz zu Ski-Unfall

Schumacher fuhr bewusst neben Piste

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Foto: Viele Fragen, wenig Antworten: Staatsanwalt Patrick Quincy auf der Pressekonferenz.

Albertville - Zu schnell war Michael Schumacher bei seinem schweren Skiunfall nicht. Die Frage interessiert die Ermittler aber gar nicht. Ihre Ergebnisse bestätigen bisherige Vermutungen und Aussagen.

Dass er nicht gerade angetan ist von diesem Medienrummel, der ihn plötzlich in die fiebrige Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit katapultiert, ist Patrick Quincy unschwer anzumerken. Er könne nichts dafür, dass man sein Gesicht nur zur Hälfte sehe, erklärte der Staatsanwalt von Albertville gestern bei der voll besetzten Pressekonferenz im Justizpalast des ostfranzösischen Wintersportortes. Dort berichtete er über den aktuellen Stand der Ermittlungen zu Michael Schumachers Skiunfall. „Ich wusste nicht, dass hier so viele Mikrofone stehen würden.“ Fast scheint er hinter ihnen zu versinken.

Wenn sich Fragen wiederholen oder er ihren Sinn nicht versteht, reagiert Quincy gereizt. Ob er Schumachers Verhalten als leichtsinnig bezeichnen würde, möchte er „zum jetzigen Stand der Untersuchungen“ nicht beantworten. Lasst uns in Ruhe arbeiten, scheint er zu signalisieren. So wie Schumachers Frau Corinna, die Journalisten zuvor aufgefordert hatte, die Klinik in Grenoble zu verlassen, wo der siebenfache Formel-1-Weltmeister im künstlichen Koma liegt. Doch gestern wollten die Medienleute aus der ganzen Welt weitere Erkenntnisse. Da Quincys vorsichtige Ausführungen wenig Neues ergaben, hakten sie immer wieder nach.

Als sicher gilt, dass Schumacher am Vormittag des 29. Dezember zwischen einer blauen (leicht) und einer roten (mittelschwer) Piste in der Skistation Méribel unterwegs war, eine Wende vollführte und auf einen Stein fuhr. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte mit dem Kopf auf einen Felsen, wobei sein Skihelm zerbrach. Das zweiminütige Video aus seiner Helmkamera zeige das, erklärte Quincy. „Wir haben den Weg von Herrn Schumacher nachverfolgt.“ Der Rekordrennfahrer befand sich wohl „bewusst“ außerhalb der Markierungen, zum Unfallzeitpunkt drei bis sechs Meter vom Rand der Piste entfernt. Für einen sehr guten Skifahrer wie ihn sei er auf einem „wenig abschüssigen Gelände“ in „normaler“ Geschwindigkeit gefahren, ergänzte Stéphane Bozon, Kommandant bei der zuständigen Gebirgsgendarmerie.

Dass der inzwischen 45-Jährige zunächst einem gestürzten Freund geholfen hatte und deshalb in den Tiefschneebereich zwischen den Pisten gefahren war, wie Schumachers Managerin Sabine Kehm erklärt hatte, bestätigt zumindest der kurze Film nicht. Zu einem Amateurvideo, das laut Medienberichten Schumachers Unfall zeigen soll, besitze der Staatsanwalt keinerlei Hinweise. Bei ihm habe sich der angebliche Zeuge auch nicht gemeldet, sagte Quincy: „Ich persönlich bleibe da sehr reserviert, ja sogar zweifelnd.“

Die Pistenmarkierungen seien korrekt gewesen. Auch schließe man Schumachers „quasi neue“ Leihskier als Unfallursache aus. Allerdings würden deren Material, das der Skibindungen und des Helmes noch genauer untersucht. Es könne noch dauern, bis die notwendigen Gutachten vorliegen.

Ob strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden, sei daher noch völlig offen, eine Klage liege nicht vor. Im Übrigen handele es sich um routinierte Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, unabhängig von der Prominenz des Verunglückten. „Wir machen dieselben Ermittlungen, wenn sich schwere Unfälle ereignen.“ Zum Gesundheitszustand des früheren Spitzensportlers, der durch den Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, wurde nichts gesagt. Sein Zustand gilt als stabil, aber kritisch.

Von Birgit Holzer

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