Bahnunglück

Schwertransporter schlitzt Zug auf

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Foto: Am Dienstagmorgen raste ein Schwertransporter in einen Regionalexpress bei Wolfenbüttel.

Baddeckenstedt - Bei einem Zugunfall in Baddeckenstedt im Kreis Wolfenbüttel sind am Dienstag 45 Bahnfahrer mit dem Schrecken davongekommen. Auf einem Bahnübergang der Bundesstraße 6 war ein Regionalexpress mit einem Schwertransporter zusammengestoßen.

Der Speziallastwagen aus Polen transportierte einen gut 15 Tonnen schweren Windradflügel. Wegen des stockenden Verkehrs war der Laster mit dem Heck auf dem Übergang stehen geblieben. Als sich die Halbschranken senkten, prallte der Zug auf den Auflieger des Lasters.

Es ist Punkt 6.12 Uhr als der RE14062 auf den Bahnübergang zurauscht. Der Zug ist auf dem Weg von Bad Harzburg nach Hannover. Plötzlich sieht der Lokführer den Auflieger des 55 Meter langen Schwertransporters auf den Gleisen. Der Fahrer versucht noch, den Lastwagen über die Schienen zu bringen, doch dies misslingt. Ausgerechnet jetzt bewegen sich die Schranken nach unten.

Der Lokführer leitet sofort eine Schnellbremsung ein und bringt sich danach selbst in Sicherheit. Er rennt in den hinteren Teil des Wagens. Dann rammt der Zug den mit dem Rotorblatt beladenen Auflieger des Lasters. Dieser schlitzt den Triebwagen auf einer Länge von gut zehn Metern wie ein Büchsenöffner auf, zerschneidet das Metall, zertrennt Sitzreihen. Doch niemand wird verletzt. „Die Menschen in dem Zug haben wirklich großes Glück gehabt“, sagt Feuerwehrsprecher Matthias Kamphenkel. Auch Bundespolizeisprecher Detlef Lenger saß in dem Zug. Er spürt die Bremsen, einmal leicht, dann heftiger und hört einen Knall. Sekunden später kommt der Zug zum Stehen – das glimpfliche Ende eines Unglücks, das viel schlimmer hätte ausgehen können.

„Der Lokführer hat geistesgegenwärtig und besonnen gehandelt“, berichtet Lenger. „Er war absolut geduldig und nicht geschockt. Auch die Fahrgäste sind nicht in Panik geraten.“ Sie werden einige Zeit später mit Bussen abgeholt und zum nächsten Bahnhof gebracht. Einige machen Fotos mit ihren Handys. Der Lokführer steigt in ein Taxi und wird nach Hause chauffiert.

Zurück bleiben der 40-jährige Lastwagenfahrer aus Stettin und sein Kollege, der ein Begleitfahrzeug des Sondertransports steuerte. Die beiden Männer sind unversehrt, der 35 Tonnen schwere Lkw ist nur am Heck beschädigt, die Spitze des Rotorblatts hat ebenfalls dicke Schrammen abbekommen.

Im Ort Baddeckenstedt entsteht derweil ein Verkehrschaos. Auch der Bahnfahrplan wird kräftig durcheinander gewirbelt. Vier Regionalzüge fallen aus. Nur mühsam kommt der Verkehr wieder in den Gang. Ab 8.25 Uhr rollen die Züge durchs Innerstetal eingleisig, von 11.08 Uhr an fährt alles wieder nach Plan. Viele Autofahrer werden überdies auf eine Geduldsprobe gestellt. Bis 9.20 Uhr ist die Bundesstraße 6 vollständig gesperrt.

Die Bahn beordert ein vierköpfiges Technikerteam und einen Notfallmanager aus Braunschweig nach Baddeckenstedt. Er kann nur schwer fassen, was sich an diesem Tag ereignet hat. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Mann. Die Polizei schätzt den Schaden auf 750000 Euro.

Alexander Raths

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