Vorfall am Marathon-Sonntag

Sechs Polizisten unter Prügelverdacht

Hannover - Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen Körperverletzung im Amt und unterlassender Hilfeleistung gegen sechs Polizisten der Inspektion Mitte. Sie sollen einen Mann bei einer Festnahme verprügelt haben.

Laut Zeugen gingen die Beamten mit unverhältnismäßiger Härte gegen ihr mutmaßliches Opfer vor, weil dieses sich offenbar weigerte, seine Personalien preiszugeben. Besonders brisant an dem Vorfall ist, dass einer der Männer nach Informationen der HAZ schon einmal einen Zivilisten bei einer Personenkontrolle übel zurichtete. Der aktuelle Fall ereignete sich am 27. April in der Innenstadt. Am Marathon-Sonntag kam das spätere Opfer gegen 12.30 Uhr aus der Diskothek „Underground“ in der Georgstraße. „Plötzlich fuhr ein Polizeiwagen über den Opernplatz, und mehrere Beamte sprangen aus dem Auto“, erinnert sich Zeuge Henry Wrieden, der sich zu diesem Zeitpunkt in dem Bereich aufhielt. „Dann hörte ich einen Schrei und ging in die Richtung“, sagt der 65-Jährige. Dort sah er, wie die Beamten den Mann auf den Boden drückten. Auf dem Gehweg bildete sich bereits eine Blutlache, weil der Verdächtige zu diesem Zeitpunkt bereits am Kopf verletzt war. „Die Polizisten ließen aber nicht von ihm ab, sondern traten ihn weiter mit den Knien in den Rücken“, sagt Wrieden. Seinen Angaben zufolge haben sie sogar den Kopf des Mann auf den Boden geschlagen.

Wrieden nahm daraufhin sein Handy und fertigte Bilder von der Szene. Auch weitere Zeugen begannen nach seinen Angaben, zu fotografieren und zu filmen, als die Polizisten nicht aufhörten, den Mann zu traktieren. Offenbar sprachen sie auch Polizisten an, die aber nicht von dem Mann abließen. Einer der Zeugen zeigte die Polizisten später bei der Staatsanwaltschaft an. „Es ist richtig, dass bei uns mehrere Strafanzeigen eingegangen sind“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Behörde prüft nun, ob die Vorwürfe begründet sind. Denn die Aussagen der Parteien gehen auseinander.„Nach unseren Informationen hat der Mann Widerstand gegen die Polizeibeamten geleistet, als sie seine Personalien aufnehmen wollten“, sagt ein Polizeisprecher. Als der Mann die Beamten dann auch noch angriff, überwältigten sie ihn und nahmen ihn fest. Nach dem Vorfall gingen auch bei der Polizeiinspektion Mitte, der die Polizisten angehören, Beschwerden ein. Dort wird intern ermittelt.

Mindestens einer der Beamten war schon einmal durch sein brutales Vorgehen gegenüber einem Verdächtigen aufgefallen. Dominic P., der nach HAZ-Informationen an dem jüngsten Übergriff beteiligt war, wurde im Januar dieses Jahres vom Amtsgericht gerügt. Dort wollte er eigentlich Schmerzensgeld von einem Verdächtigen haben, weil dieser bei einer Festnahme im Juni 2012 Widerstand geleistet und P. dabei verletzt habe. Im Lauf der Verhandlung stellte sich jedoch heraus, dass P. den Beklagten bei seiner Verhaftung krankenhausreif geprügelt hatte. Dieser kam danach mit dem Verdacht auf eine Hodenprellung und eine gebrochene Hand in eine Klinik. Ein Arzt diagnostizierte eine Schädelprellung mit Gehirnerschütterung, diverse Prellungen und einen psychischen Schock. Das Gericht mahnte den Fall an – gegen Dominic P. wird derzeit disziplinarisch ermittelt.

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