Mehr Transparenz bei Geflügelhaltern

Wer sein Federvieh misshandelt, fliegt

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Pro Tierschutzplan: Friedrich-Otto Ripke.

Hannover - Verstöße gegen den Tierschutz durch einzelne Geflügelhalter sollen nicht mehr die gesamte Branche in Verruf bringen können. Deshalb will Friedrich-Otto Ripke, der neue Mann beim Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband (NGW), mehr Transparenz gegenüber den Verbrauchern erreichen.

Zugleich sollen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz verbandsintern strenger geahndet werden. „Es ist klar, dass wir im Verband hohe Disziplin nach innen brauchen. In einzelnen Fällen müssen auch Konsequenzen gezogen werden“, sagte der neue Vorsitzende des NGW der HAZ. Dabei müsse es sich um „eklatante Tierschutzverstöße handeln, die auch bewiesen sind“. Bedeutet: Wer sein Federvieh schlecht behandelt und dafür verurteilt wird, soll aus dem Verband ausgeschlossen werden können.

Ripke, Ende November zum Vorsitzenden gewählt, setzt damit einen neuen Ton im mächtigen NGW, der sich gegenüber Verbrauchern und Tierschützern bisher in einer Art Wagenburg verschanzt hat. „Ich will den Tierschutzplan umsetzen“, sagt der ehemalige CDU-Politiker. Das Programm für eine artgerechtere Tierhaltung hat er als Staatssekretär im Agrarministerium bis zum Jahreswechsel noch maßgeblich selbst gestaltet. Jetzt will Ripke es auf der anderen Seite mit Leben füllen. „Ein ideologiefreier Tierschutz ist nur in der Praxis möglich“, sagt der Landwirt aus dem Heidekreis. Profitieren würden davon die im NGW organisierten 1200 Betriebe wie Verbraucher zu gleichen Teilen, ist der 60-Jährige überzeugt. Allerdings stellt Ripke klar: „Wir dürfen über den Tierschutz die Halter nicht zur Aufgabe zwingen.“

Das laut Tierschutzplan für 2016 geplante Verbot des Schnabelkürzens bei Legehennen ist so ein Punkt, bei dem Ripke noch Gesprächsbedarf hat: Die Halter stutzen die Schnäbel, weil sich die Tiere gegenseitig schwer verletzen können. Ab 2016 soll es keine Ausnahmegenehmigungen mehr für das Schnabelkürzen geben, das schon heute laut Tierschutzgesetz verboten ist. In einem Pilotprojekt gelingt es aber nur etwa einem Drittel der Betriebe, ohne bedeutende Verluste zu arbeiten. „Woran liegt das?“, fragt Ripke und fordert einen Entschädigungsfonds, der die Verluste ausgleicht. Außerdem wünscht er sich eine wissenschaftliche Begleitung aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums.

Im Februar will Ripke eigene Vorschläge des NGW zur Umsetzung des Verbots des Schnabelkürzens vorlegen. „Proaktiv“ handeln, nennt er das. 2014 soll auch eine Transparenzoffensive des NGW starten: Derzeit sucht der Vorsitzende noch Mitglieder, die bereit sind, ihre Ställe zu öffnen. Dann sollen auch Webcams in einzelnen Betrieben hängen, damit sich jeder jederzeit selbst ein Bild von guten Haltungsbedingungen in den Ställen der NGW-Mitgliedsbetriebe machen kann.

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