Schreibfehler im Straßenschild

Seit 40 Jahren ein L zu viel

„Rechtlich korrekt“, trotzdem falsch: Palach schreibt sich mit einem L.

Hildesheim - Wer war Jan Pallach? Unbekannt. Und wer war Jan Palach? Ein tschechoslowakischer Student, der sich 1969 selbst verbrannte. Die Jan-Pallach-Straße in Hildesheim müsste eigentlich Jan-Palach-Straße heißen - umbenannt soll die Straße aus Rücksicht auf Behörden und Anwohner jedoch nicht.

In Hildesheim wurde Jan Pallach ein Denkmal gesetzt. Mit doppeltem L - ergänzt um eine fehlerhafte Kurzbiografie. Seit 40 Jahren hängen die Straßenschilder in Bahnhofsnähe; Stadtpläne, Google und Navigationssystme weisen den falschen Namen aus.

Die Stadt kennt den Fehler seit Jahren. Die Schreibweise mit Doppel-L entspreche einem Ratsbeschluss und sei damit rechtlich korrekt, erklärt Stadtsprecher Helge Miethe. „Sie war möglicherweise damals in den Medien üblich und gewissermaßen eine deutsche phonetische Schreibweise des tschechischen Namens.“ Miethe verweist zudem darauf, dass es auch im nordrhein-westfälischen Korschenbroich eine „Jan-Pallach-Straße“ gibt. Gegenbeispiele mit richtiger Schreibweise: Weeze (Nordrhein-Westfalen) und Hünfeld (Hessen).

Von einer Korrektur werde aber im Interesse von Anwohnern und Behörden abgesehen, sagt Miethe. Das würde einen „unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand“ produzieren.

Auch die Kurzbiografie auf dem kleinen Zusatzschild ist nicht einwandfrei: Dort steht, Palach sei 1968 gestorben. Die richtige Jahreszahl lautet 1969 - am 16. Januar jenes Jahres verbrannte sich der 20-Jährige in Prag. An einem Brunnen vor dem Nationalmuseum zog er seinen Mantel aus, übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. Er wollte das Volk wachrütteln - aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings.

Auf dem Beischild heißt es indes, Palach sei Opfer der sowjetischen Invasion geworden. Was im übertragenen Sinn zu verstehen sei, erklärt Miethe - „im historischen Kontext seines Protestes gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen“. Dass der Autor der Kurzinfo dachte, Palach sei bei eben diesem Einmarsch zu Tode gekommen, verneint Miethe. Das würde aber die falsche Jahreszahl und die fragwürdige Todesursache erklären. Die Stadt will jetzt immerhin das falsche Todesdatum ändern lassen.

Von Hagen Eichler

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