Fotofallen im Harz

„Selfie“ von Fuchs und Luchs

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Foto: Luchs-Parade – hier marschieren gleich drei junge Luchse in die Fotofalle.

Bad Harzburg - Mehr als 60 Fotofallen installierten Forscher im Harz, um Informationen über die Harzer Luchse zu gewinnen. Insgesamt tappten 3800 Tiere in die Fotofallen. Luchsbilder entstanden dabei aber nur 240. Auf dem Rest der Bilder sind beispielsweise kuriose Schnappschüsse von Füchsen oder Wildkatzen zu sehen.

Eigentlich wollten die Mitarbeiter des Harzer Luchsprojektes mit einer groß angelegten Fotoaktion nur neue Erkenntnisse über die Harzer Luchse gewinnen. Dazu hatten sie im vergangenen Herbst an 60 Standorten im Westharz und im Nationalpark spezielle Fotofallen installiert. Die über einen Zeitraum von 100 Tagen entstandenen Aufnahmen sollten Aufschluss darüber geben, wie viele Pinselohren inzwischen dort in freier Wildbahn leben.

Die Fotosession war ein Erfolg: „Wir haben etwa 240 Luchsbilder bekommen“, sagt Projektleiter Ole Anders. „Mit so einer großen Ausbeute hatten wir nicht gerechnet.“ Außer den Luchsen liefen aber auch viele andere Wildtiere vor die Kameralinsen. Insgesamt entstanden fast 3.800 Tierbilder, darunter auch diverse kuriose Aufnahmen.

Auf einem Bild ist beispielsweise ein Hase im wilden Galopp zu sehen, auf einem anderen linst ein Fuchs direkt in die Kamera. Ein besonders ungewöhnlicher Schnappschuss zeigt einen Hirsch, der jede Menge Gestrüpp im Geweih hängen hat. „Das ist ein typisches Machogehabe in der Brunftzeit“, erklärt Anders. Ein anderes Foto zeigt ein Hirschkalb, das neugierig die Kamera beäugt. Besonders viele Aufnahmen stammen von einer Tierart, die man eher selten zu sehen bekommt: Auf mehr als 190 Bildern sind Wildkatzen zu sehen.

Das Hauptinteresse der Forscher gilt allerdings nicht diesen „Beifängen“, sondern den Luchsbildern. „Die detaillierte Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Anders. Schon die Auswahl der Standorte war sehr aufwendig gewesen. Monatelang hatten die Mitarbeiter mit Förstern und Jägern den Harz ausgekundschaftet, um möglichst optimale Aufnahmebedingungen zu finden. Die Fotofallen waren systematisch auf einer Gesamtfläche von 800 Quadratkilometern verteilt, jede von ihnen ausgerüstet mit zwei Kameras, um die Tiere aus zwei Richtungen fotografieren zu können. „Mithilfe der Doppelfotografie können wir die einzelnen Luchse besser identifizieren“, sagt Anders.

Die Forscher orientieren sich dabei an der Fellzeichnung. Diese ist das individuelle Erkennungsmerkmal der Luchse. Die spezielle Anordnung, Form und Größe der Flecken ist so einmalig wie ein Fingerabdruck beim Menschen.

von Heidi Niemann

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