Hygienemängel in Bremer Klinikum

Senatorin weist Verantwortung für Keime von sich

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Foto: In dem Bremer Klinikum waren im vergangenen Jahr mindestens drei Frühchen an den Folgen einer Infektion gestorben.

Bremen - Sie tritt selbstbewusst und entschieden auf: Bremens Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper lässt vor dem Untersuchungsausschuss keinen Zweifel, dass sie ihre Entscheidungen im Hygiene-Skandal um tote Frühchen für richtig hält.

Die Bremer Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hat ihr Krisenmanagement im Skandal um tote Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte verteidigt. Sie wies bei ihrer Aussage im Untersuchungsausschuss des Landtags persönliche und politische Verantwortung für Fehler im Klinikum zurück. Sie habe weder als Gesundheitssenatorin noch als Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikverbundes Nord direkten Einfluss auf die Geschäftsführung, sagte Jürgens-Pieper am Dienstag. „Ich habe nicht das Recht, der Klinikleitung Weisungen zu erteilen.“

Die Senatorin betonte, sie habe - nachdem sie am 1. November 2011 von den Infektionen erfahren habe - das Robert-Koch-Institut sofort eingeschaltet und Öffentlichkeit hergestellt. „Ich habe zügig und stringent gehandelt.“ Sie habe seitdem daran gearbeitet, das Klinikum so aufzustellen, dass Infektionen künftig mit professionellem Hygienemanagement begegnet werden könne.

Angesichts der weit verbreiteten Probleme mit multiresistenten Keimen in Krankenhäusern warnte Jürgens-Pieper vor schnellen Schuldzuweisungen. Noch sei nicht einmal klar, ob die Staatsanwaltschaft gegen Beteiligte Anklage erbeben werde. Die Senatorin war erst mehrere Wochen nach dem Ausbruch des Keims informiert worden. Drei Frühchen starben im Jahr 2011 in direkter Folge der Infektionen. Ein Chefarzt und der Geschäftsführer des Bremer Klinikverbundes wurden entlassen.

Der Untersuchungsausschuss des Landtags hatte seit Anfang des Jahres zahlreiche Zeugen befragt. Die Keimquelle konnte nicht sicher bestimmt werden, im Verdacht steht eine Dosieranlage für Desinfektionsmittel. „Wir haben da eine bedeutsame Spur“, sagte Jürgens-Pieper. Umfangreiche Untersuchungen des Klinikpersonals auf Keimbesiedelung brachte keine Ergebnisse. Experten warfen der Klinik Hygienemängel zum Beispiel bei Reinigung und Desinfektion vor.

Nach dem Tod der drei Frühchen war die betroffene Station vorübergehend geschlossen, umgebaut und desinfiziert worden. Nach der Wiedereröffnung trat der Keim erneut auf, zwei weitere Frühchen starben. Seitdem ist die Neonatologie in Bremen-Mitte geschlossen. Eine Wiedereröffnung sei nicht geplant, sagte Jürgens-Pieper.

Die Senatorin appellierte, der Klinik die Chance zu geben, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Mitarbeiter seien verzweifelt. „Die wirtschaftliche Situation der Klinik ist inzwischen bedrohlich“, sagte Jürgens-Pieper. Aufgrund des Imageverlustes seien rund 1500 schwere Fälle weniger behandelt worden als erwartet, hatte Jürgens-Pieper kürzlich berichtet. Das Klinikum habe deswegen sechs Millionen Euro weniger eingenommen.

Der CDU-Abgeordnete Rainer Bensch erneuerte seine Forderung nach einem personellen Neuanfang an der Spitze des Gesundheitsressorts. „Das ist ein Gebot der politischen Hygiene“, sagte er in einer Sitzungspause. Die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Antje Grotheer (SPD), betonte dagegen, nach dem bisherigen Stand der Befragung sei der Senatorin nichts vorzuwerfen. Aber: „Wenn alles gut gelaufen wäre, hätte es den Keimausbruch nicht gegeben.“ Auch aus Sicht des stellvertretenden Ausschussvorsitzenden, Björn Fecker (Grüne), ist Jürgens-Pieper nicht für die Ereignisse verantwortlich zu machen.

dpa/sag

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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