Noch bis 2022 am Netz

Wie sicher ist das AKW in Grohnde?

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Das Atomkraftwerk in Grohnde soll noch bis 2022 am Netz bleiben.

Hameln - Während der letzten Revision des Kraftwerkes im Sommer hatten zerbrochene Federn an den Drosselklappen des Kühlsystems den Umweltminister auf den Plan gerufen. Stefan Wenzel (Grüne) will künftig einen noch genaueren Blick auf das Kernkraftwerk in Grohnde werfen. Der Reaktor Grohnde ist noch bis zum Jahr 2022 in Betrieb.

„Wir werden die Verschärfung der Prüfanforderungen auf die Tagesordnung setzen, auch die Materialprüfungen für ausgesuchte kerntechnische Teile“, sagte Wenzel zum Abschluss einer eintägigen Konferenz zur Sicherheit älterer Atomreaktoren in Hameln, an der sowohl Kernkraftgegner als auch Ingenieure der Energiebranche teilnahmen.

Auf der Sicherheitskonferenz erläuterten gleich mehrere Experten, dass diese Federn allerdings nicht relevant für die Sicherheit des Atomreaktors seien.

Schärfere Prüfungen der mehr als 30 Jahre alten Anlage forderte auch Hamelns Landrat Tjark Bartels. Es sei damit zu rechnen, dass weitere Materialfehler aufträten, sagte der SPD-Kommunalpolitiker. „Ich glaube, dass die Anlage solide gemanagt wird, aber so ein Zufallsfund wie die gebrochenen Federn zeigt eben doch, dass auch Unvorhergesehenes geschehen kann.“ Die Atomkraft habe die Gesellschaft stets gespalten. Jetzt gebe es aber keinen gesellschaftlichen Konsens mehr, das verbliebene Risiko zu tragen. Der Landkreis Hameln sei mit dem nahen Kernkraftwerk Grohnde und der Planung der großen Stromtrassen für das Südlink-Projekt gewissermaßen „im Auge des Orkans der Energiewende“, sagte Bartels.

Bartels’ Statement war eines der wenigen politischen Bekenntnisse auf der Tagung, die sich durch ein ausgesprochen sachliches Diskussionsverhalten auszeichnete. Befürchtungen von führenden e.on-Kerntechnikmanagern, hier habe sich Wenzel lediglich ein Forum für politische Stimmungsmache gegen die Atombranche geschaffen, bewahrheiteten sich nicht. Chefingenieure wie Matthias Röhrbein vom Stromerzeuger RWE oder sein e.on-Kollege Michael Fuchs berichteten von der gelebten Sicherheitskultur in deutschen Kernkraftwerken, die sich durch eine Fülle von wiederkehrenden Prüfungen auszeichne. „Wir sind tief davon überzeugt, dass wir mit unseren Anlagen kein Alterungsproblem bekommen werden“, sagte Röhrbein.

e.on-Cheftechniker Fuchs versicherte, dass die Anlage Grohnde bis zur Stilllegung mit größter Akribie gefahren und überprüft werde.

Simone Mohr vom Öko-Institut in Freiburg attestierte deutschen Anlagen einen höheren Standard im Alterungsmanagement als Kernkraftwerken in der Schweiz oder in Belgien. Der Österreicher Helmut Hirsch, auch ein Atomexperte, beklagte allerdings zu lange Abläufe bei der Durchsetzung internationaler Sicherheitsreglements. So habe es etwa zehn Jahre gedauert, bis ein umfangreiches kerntechnisches Reglement geschaffen worden sei, das 2010 in Kraft trat. Und sechs Jahre habe es gedauert, bis es nach Funden von Rissen in Armaturen des Kernkraftwerks Krümmel Rückmeldungen vom Betreiber gegeben habe. „Das waren auch Zufallsfunde wie die defekten Drosselkörper in Grohnde“, sagte Hirsch. Im Unterschied zu den anderen Experten beurteilte der Österreicher die gebrochenen Federn durchaus als sicherheitstechnisch bedenklich, denn „lose Teile in einer kerntechnischen Anlage können immer Schäden verursachen“.

Unruhe kam vor allem bei Atomkraftgegnern und Bürgerinitiativen auf, als Meldungen aus der Ukraine eintrudelten, die von einer Panne im Atomkraftwerk Saporoschje berichteten. Wenzel sagte, dass es bereits vor sechs Tagen einen Brand im nicht nuklearen Teil der ukrainischen Anlage gegeben habe, die vor Tagen heruntergefahren worden sei. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Anja Piel, hatte schon besorgt den Präsidenten des Strahlenschutzamtes in Salzgitter angerufen. Doch am Mittag kam Entwarnung.

Zwei von vier sind noch am Netz

In Niedersachsen sind derzeit noch zwei Atomkraftwerke am Netz: die Meiler Emsland in Lingen und Grohnde in Emmerthal bei Hameln. Das Kernkraftwerk in Stade wurde bereits 2003 abgeschaltet, der Meiler Unterweser im Kreis Wesermarsch 2011.Das Kraftwerk Grohnde läuft seit 1984, Betreiber ist e.on gemeinsam mit den Stadtwerken Bielefeld. 1988 ging das Atomkraftwerk Emsland ans Netz, das RWE und e.on gemeinsam betreiben. Grohnde soll nach den Plänen der Bundesregierung spätestens 2022 abgeschaltet werden, das Kraftwerk Emsland geht voraussichtlich ebenfalls 2022 vom Netz.

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