Bundessieger bei "Jugend forscht"

Sieger mit dem Tropfen im Wasserglas

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Auf den Tropfen Wasser kommt es an: Daniel Pflüger will Physik studieren.

Lüneburg - Für die einen ist es ein Horrorfach, für den 18-jährigen Gymnasiasten Daniel Pflüger seine Leidenschaft. Der Lüneburger Schüler ist jetzt Bundessieger bei "Jugend forscht" geworden. Alles nur wegen eines Tropfen Wassers.

Eine Pause, die hat sich Daniel Pflüger jetzt wirklich verdient. Das Abitur hat er sicher in der Tasche, den wichtigen Physikpreis abgeräumt - und trotzdem hat der 18-Jährige kaum Zeit. Ein Telefonat, das geht. Vor ein paar Tagen ist der Lüneburger Jugend-forscht-Bundessieger im Fach Physik geworden. Nun sitzt er am Schreibtisch und bereitet die Unterlagen für den Europäischen Wettbewerb in Prag vor, gleichzeitig ist er für einen internationalen Wettbewerb in Los Angeles nominiert.

Und das alles nur wegen eines Tropfen Wassers. Fällt der auf eine spiegelglatte Oberfläche, verschwindet ein Teil des Tropfens im Wasser, der Rest springt wieder heraus. Um diesen Prozess sichtbar zu machen, nutzt man Hochgeschwindigkeitskameras. Die sind teuer, und jetzt kommt Daniel, der Forscher, ins Spiel: Seine weitaus günstigere Methode nimmt nicht direkt das Auftreffen des Tropfens auf, sondern misst mit Laser und Digitalkamera präzise die Wasserwellen, die dabei entstehen.

Und was bringt das Ganze? Daniel lacht. Schon oft hat er diese Frage gehört. Zunächst habe er die Grundlagen erforscht, das Wissen über diese indirekte Messtechnik geschaffen („es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich auf die Idee kam“). Die technische, also praktische Anwendung - das ist der nächste Schritt. Daniel arbeitet daran.

Das klingt wieder nach wenig Zeit. Physik ist eben seine Leidenschaft. Sein 14-, 15-Punkte-Fach. Anders als Erdkunde. „Da kann ich auch mal faul sein“, sagt der 18-jährige Johanneum-Schüler, dessen Eltern aus Russland nach Deutschland kamen. Das Gymnasium in Lüneburg hat mehrere Jugend-forscht-Arbeitsgruppen, darunter allein drei, die sich mit experimenteller Physik beschäftigen. Gefragt nach seinen Freunden und Hobbys, muss Daniel Pflüger lachen.

Ja, er habe durchaus Hobbys, wie die Astronomie beispielsweise, nein, er mache keinen Sport. „Das passt jetzt wohl irgendwie ins Klischee?“, fragt er. Dafür habe er ausreichend soziale Kontakte. „Und mit meinen Freunden rede ich nicht in Gleichungen.“ Seine Freunde, das seien Leute mit anderen Leidenschaften. Und zum Fachsimpeln geht der Physik-Preisträger gerne auf Reisen. Regelmäßig besucht er Gleichgesinnte in ganz Deutschland, die er auf Wettbewerben kennengelernt hat. „Das sind teilweise Freunde fürs Leben“.

Daniel Pflüger überlässt nichts dem Zufall. Er hat sich für ein freiwilliges ökologisches Jahr auf einer Hallig in der Nordsee („mal über sich nachdenken, seine Mitte finden“) ebenso beworben wie für ein freiwilliges wissenschaftliches Jahr in Hannover. Egal was klappt, es ist gut. Danach möchte der 18-Jährige ein Studium beginnen. Es wird sicher Physik werden. „Gerne würde ich eine Karriere als Forscher machen“, sagt er. Um einen Studienplatz muss sich Daniel keine Sorgen machen. Schon bei den Wettbewerben priesen Professoren die Vorzüge ihrer Universitäten an, so einer wie Daniel ist in vielen Hörsälen willkommen. „Ich wäre glücklich, einen großen Teil der Zeit in Deutschland bleiben zu können, doch für Forscher ist es im Vergleich zu anderen Ländern hier schwierig, eine feste Anstellung zu bekommen“, sagt Daniel. Doch bis dahin ist noch Zeit. Zum Beispiel zum Ausschlafen - das zumindest gönnt er sich.

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