TUI Arena am 14. Februar

Söhne Mannheims beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest in Hannover

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Foto: Beim Eurovision Song Contest in Baku gewann dieses Jahr die schwedische Sängerin Loreen.

Hannover - Wer vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2013 in Schweden? Jetzt stehen die Teilnehmer des Vorentscheids in Hannover fest: Mit dabei am 14. Februar in der TUI Arena sind vor allem junge Newcomer und musikalische Szenegänger, aber auch namhaftere Künstler wie die Söhne Mannheims.

Erfahrene Zirkuspferde, aufstrebende Neulinge, eine Prise Schlagerseligkeit plus Trash à la Knorkator – das war in den Nullerjahren das Rezept für den deutschen Grand-Prix-Vorentscheid. Dann kam Jurypräsident Stefan Raab, dann kam Casting, dann kam Lena, und nichts wird in der deutschen Song-Contest-Gemeinde jemals sein wie vorher. Oder doch? Zurück in die Zukunft?

Das Konzept für die Show „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“ am 14. Februar in Hannover erinnert heftig an die Formel von einst: Jungstars, coole Szenetypen und ein paar Veteranen, vorab bestimmt im stillen Kämmerlein, dargeboten an einem einzigen Abend. Kein Casting mehr. Keine Chance auf ein neues Märchen. Das muss nichts Schlimmes sein – wenn die Show mehr sein wird als bloß eine PR-Plattform für Nachwuchskünstler mit frischem Plattenvertrag in der Tasche. Immerhin: Zlatko ist nicht dabei.

Eine mannigfaltige Truppe bewirbt sich in Hannover um das Ticket nach Malmö

Natürlich will man - auch ohne PRO7 als Kompagnon - lauter, strahlender, größer, origineller (und erfolgreicher) sein als in den Vor-Lena-Jahren. Elf von zwölf Bewerbern für 2013 hat der NDR nun bestätigt, und es zeigt sich: Es ist eine mannigfaltige Truppe, die sich in der TUI Arena um das deutsche Ticket zum Finale im Mai in Malmö bewirbt. Bestimmt wurden die Kandidaten von den fünf großen Plattenfirmen, dem NDR sowie der Produktionsfirma Brainpool. Natürlich dürfte eine Rolle gespielt haben, wer ein Album im Köcher hat oder ein paar TV-Minuten vor Millionenpublikum gebrauchen könnte. Allerdings gibt es keinen Grund zu der Annahme, die Tauglichkeit für die internationale ESC-Bühne sei bei der Auswahl der Songs nebensächlich gewesen.Zu den namhaftesten Anwärtern zählen die Söhne Mannheims mit dem Titel „One Love“ und die sympathischen, oberbayerischen Blasmusik-Rebellen von LaBrassBanda, die seit 2007 zeigen, dass Party, Polka, Groove und Funk eins sein können, wenn man nur will.

Und das sind – neben den beiden genannten - die weiteren Kandidaten beim deutschen ESC-Vorentscheid 2013:Ben Ivory , ehemaliger Sänger der Rockband Splinter X, hat sich in kleinerem Kreis als Berliner Avantgardist in Sachen Mode, Grafik, Fotografie und gitarrenlose Musik sowie als arbeitsamer Vertreter des 80er-Revivals einen Namen gemacht. Im Frühjahr erscheint sein Album „Neon Cathedral“, das unter anderem von Kim Wennerström und Michael Ilbert angehübscht wurde, die schon für Roxette, The Hives und – doch, ja – Taylor Swift arbeiteten. Das passt zeitlich natürlich ganz prima. Ivorys Song heißt „The Righteous Ones“.

Eher aus der Retro-Ecke kommt auch Blumenmädchen Betty Dittrich (28), die in Schweden geboren wurde und derzeit in Berlin lebt. Inspiriert werden ihre deutschsprachigen, leicht hippiesk klingenden Lieder vom Pop der sechziger Jahre. Ihr Song heißt mal eben „Lalala“. Außerhalb der Spezialistenszene ist sie (noch) kaum bekannt.Mit mehreren Top-5-Clubhits hat sich das Berliner Künstlerkollektiv Blitzkids mvt (sprich: „Movement“) um Frontfrau Nomi und Produzent Petone in der Hipsterszene einen Namen gemacht. Elektrische Musik für ganz schön coole Leute.

Ein absoluter Dance-Veteran mit fünf Alben und 30 Millionen verkauften Platten ist das Bonner Trio Cascada mit Sängerin Natalie Horler. „Evacuate The Dancefloor“ und „Everytime We Touch“ waren in mehreren Ländern Hits. Ihr Titel in Hannover heißt „Glorious“. Das wird die Eurodance-Fraktion unter den ESC-Traditionalisten erfreuen.

Der Berliner Finn Martin (29) war schon mit Pink auf Tour und spielte 2006 mit seiner Band Asher Lane beim WM-Halbfinale vor mehr als einer Million Menschen am Brandenburger Tor. An ihm wird’s dann nicht gelegen haben, dass Deutschland gegen Italien verlor. Auch sein erstes Solo-Album steht in den Startlöchern, sein Song heißt „Change“.

Mit Waschbrett, Banjo, Melodica, Akkordeon, Ukulele, Mandoline und Glockenspiel gehen Mobilée aus Duisburg ins Rennen. Folkpop ist spätestens seit Mumford & Sons und Of Monsters And Men Mainstream, aber Mainstream ist nicht böse. Im September erschien ihr Debütalbum „Walking On A Twine“, sie begleiteten zuletzt Roxette und Tim Bendzko auf Tournee. Sänger Alexander „Alex“ Schroer schrieb mit Lena Meyer-Landrut zusammen den Song „To The Moon“ von ihrem Album „Stardust“.

Ein fernes Echo von Casting weht mit dem Duo Nica & Joe durch die Arena. Die Polin Veronika Belyavskaya und der US-Amerikaner Joseph Guyton aus Michigan waren in der zweiten Staffel der Vox-Castingshow „X Factor“ zu hören - und durften Chefjurorin Sarah Connor prompt auf Tour begleiten. Das Duo unternimmt einen weiteren Versuch, Klassik und Pop zu versöhnen. Ihr Song heißt „Elevated“.Und jetzt wird’s sehr traditionell: Die Priester feat. Mojca Erdmann gehen mit ihrer Version des Mariengesangs „Ave Maris Stella“ an den Start („Meerstern sei gegrüßt“). Ein katholischer Choralklassiker beim ESC? Mittelalterlich Mystik für Malmö? Seit Lordi ist alles möglich. Die Sopranistin Mojca Erdmann trat unter anderem bei den Salzburger Festpielen und an der Metropolitan Opera in New York auf.

Neu im Geschäft ist auch die in Berlin lebende Österreicherin Saint Lu (30), die bürgerlich Luise Gruber heißt und bis vor ein paar Tagen Max Mutzke auf Tour begleitete. Ihr Album erscheint praktischerweise ebenfalls im Frühjahr und wurde von Patrik Majer (Wir sind Helden) produziert. In der österreichischen Castingshow „Starmania“ schied Saint Lu vor Jahren früh aus, hat inzwischen aber eine stabile Fangemeinde.

Lena als "Special Guest" in der TUI Arena

Der zwölfte Teilnehmer soll noch vor Weihnachten verkündet werden. Fest steht: Lena ist es nicht. Die 21-Jährige wird aber – wie könnte es anders sein bei einem ESC-Vorentscheid in Hannover – live als „Special Guest“ in der TUI Arena auftreten, ebenso wie die schwedische Siegerin von 2012 in Aserbaidschan, Loreen („Euphoria“) - beide natürlich außer Konkurrenz.

Monatelang habe man um die besten Teilnehmer gerungen, sagt ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber und findet: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Von Dance und Electro über Pop und Soul bis hin zu Chorgesang und Blasmusik sei vieles dabei. Gern erinnert Schreiber daran, dass es ja um die Qualität der Songs gehe in Malmö, „das darf nicht vergessen werden“. Bis zum 14. Februar wollen die jungen Radiosender der ARD die zwölf Lieder der Bewerber unter die Leute bringen.Der ganz große Name ist also nicht dabei – doch wer sagt, dass Superstars beim ESC automatisch vorne landen? Noch ist kein Song zu hören, aber die entscheidende Frage wird sein, ob die doch eher auf ein junges Szenepublikum schielenden Künstler - die eins zu eins auch bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ antreten könnten - auch in der ARD massentauglich sind. Immerhin hat man der Versuchung widerstanden, den roten Plüschvorhang und den weißen Flügel wieder hervorzukramen.

Und auch ein gewisser Komponist aus München soll, wie man hört, am 14. Februar nur zu den Fernsehzuschauern gehören.Und Stefan Raab? Ist möglicherweise dabei. Nicht als Musiker, nicht als Moderator. Aber in der Jury sind noch Plätze frei. Ganz ohne ihn geht’s halt wohl doch nicht. Ein bisschen Raab muss sein.

Regeln und Tickets

Wer zum Eurovision Song Contest nach Malmö fährt, entscheiden die Hörer der jungen ARD-Popsender, das TV-Publikum sowie eine fünfköpfige Jury, die sich aus Unterhaltungs- und Musikexperten zusammensetzen wird. Das Erste überträgt das Finale des „Eurovision Song Contest“ am Sonnabend, 18. Mai, um 21 Uhr live aus Malmö. Der deutsche Vorentscheid „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“ wird am 14. Februar 2013 live aus Hannover gesendet. Wer die Show moderiert, gibt der NDR zu einem späteren Zeitpunkt bekannt. Tickets für die Show in der TUI Arena sind zum Preis von 19,90 Euro, 27,90 Euro und 36,90 Euro erhältlich über www.unser-song-fuer-malmoe.tv oder bei allen Vorverkaufsstellen.

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