Die Gastarbeiterin

Sophie Gaik hilft seit 15 Jahren bei der Spargelernte

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Raus aus der Kiste, rein in die Kiste: In einer Saison verarbeitet Sophie Gaik rund 70 Tonnen Spargel.

Otze - Seit 15 Jahren hilft die Polin Sophie Gaik bei der Spargelernte auf demselben Hof. Die 59-Jährige kommt immer wieder nach Burgdorf und muss mittlerweile auch nicht mehr im Container wohnen, wenn sie dort arbeitet.

Rhythmisch rattert die Schälmaschine. Im gleichen Takt sortiert Sophie Gaik Spargel auf das Fließband: Raus aus der Kiste, rein in die Kiste, raus, rein. Seit einem Jahr läuft das Schälen fast ohne menschliche Hände auf dem Spargel- und Erdbeerhof Lahmann in Otze bei Burgdorf (Region Hannover). „Was früher in acht Stunden die Arbeiter schafften, geht jetzt mit einer Kraft“, erklärt Spargelanbauer Carsten Lahmann. Durch die Hände von Sophie Gaik laufen so rund 70 Tonnen des weißen Goldes in einer Saison.

Seit 1998 kommt die rüstige Polin im jährlichen Takt für rund zwei Monate nach Otze zur Ernte. Die 59-Jährige ist mittlerweile so etwas wie die Vorarbeiterin der Saisonkräfte. 20 Menschen aus Polen und Bulgarien ernten von morgens bis abends die Stangen und schaffen den Spargel für Sophie Gaik in den grünen Kisten herbei. Nach den knochenharten Tagen sitzen die Männer und eine Frau in grünen Containern, fernab von der Heimat und der Familie. Mit Filmen auf ihren mitgebrachten Laptops oder surfend im Internet verbringen sie die Abende. Nur Sophie Gaik, die mit den Lahmanns eine Freundschaft pflegt, zieht sich ein paar Meter weiter in eine kleine Gastwohnung zurück. „Die Abende verbringe ich mit Fernsehen“, sagt die Frau mit den kurzen dunkelrot gefärbten Haaren. Im letzten Jahr starb ihr Mann an einer Krankheit. Seitdem fährt sie allein zur Spargelernte.

Es klingt ein wenig danach, als ob sie müsste. Die Witwenrente betrage gerade einmal 100 Euro im Monat. In ihrer Heimat hat sie nur einen kleinen Nebenjob. Von der Saisonarbeit in Otze kann sie rund vier Monate leben. „Wenn ich sparsam bin“, ergänzt sie. Vor rund 15 Jahren war das anders. Da lag noch eine deutliche Differenz zwischen den Preisniveaus der beiden Nachbarländer, mittlerweile hat sich das angeglichen. „Früher konnten wir ein ganzes Jahr davon leben.“

Wohl deshalb kommt auch auf dem Hof der Lahmanns die Hälfte der Saisonarbeiter aus Bulgarien. Auf anderen Feldern in Niedersachsen sind es vermehrt Rumänen, die sich den ganzen Tag nach dem Gemüse bücken. „Zu Hause verdienen sie 50 Cent am Tag“, sagt Lahmann. Er zahle seinen Helfern zwischen 6,50 und 8,50 Euro netto pro Stunde, ohne Akkordarbeit.

Auch der 38-Jährige schimpft, wie viele, auf die Deutschen: „Die sind zu faul, hier zu arbeiten.“ Er selbst steche Spargel, etwa wenn der schon zu Ostern sprießt. Anders als dieses Jahr, wo die Saison spät begann. Die Auferstehung Christi ist den Polen heilig. Diese Feiertage verbringen sie in der Heimat.

Sophie Gaik verbrachte diese Tage bei ihrer Tochter, die seit einiger Zeit in Deutschland lebt. Vor ein paar Jahren half auch sie bei der Spargelernte, doch mittlerweile hat sie eine andere Arbeit. „Alle vier Tage kommt meine Tochter vorbei und besucht mich“, sagt Sophie Gaik und lacht. Ansonsten verläuft der Tag nach dem Takt der harten Arbeit, wie schon vor 15 Jahren.

Matthias Pöls

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