Organspende-Prozess

Spenderleber ohne medizinischen Grund?

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Im Langericht Göttingen bespricht sich der angeklagte Arzt Aiman O. mit seinem Verteidiger Steffen Stern.

Göttingen - Im Göttinger Organspendeprozess werden schwere Vorwürfe erhoben - gegen den angeklagten Arzt. Hat eine später gestorbene Patientin ohne ausreichenden medizinischen Grund eine Spenderleber erhalten?

Im Prozess um den Organspende-Skandal hat ein Gutachter dem angeklagten früheren Chef der Göttinger Transplantationsmedizin schwere Fehler bescheinigt. Dabei ging es am Mittwoch am 51. Verhandlungstag vor dem Landgericht Göttingen um den Fall einer Patientin, die laut Anklage ohne ausreichenden medizinischen Grund eine Spenderleber erhalten hatte und später gestorben war.

Die Indikation für eine Organübertragung sei nicht vorhanden gewesen, sagte der Sachverständige. Die Patientin sei zwar schwer krank gewesen. Hauptgrund sei aber nicht die Leber, sondern die Bauchspeicheldrüse gewesen. Die Lebertransplantation wertete der Spezialist als Behandlungsfehler. Der angeklagte Arzt und seine Verteidiger traten der Darstellung des Gutachters mit Vehemenz entgegen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Chirurgen in diesem und zwei weiteren Fällen Körperverletzung mit Todesfolge vor. In elf anderen Fällen ist der Arzt des versuchten Totschlags angeklagt. Er soll durch falsche Angaben Patienten zu Unrecht zu Spenderlebern verholfen haben. Andere schwerkranke Patienten seien deshalb möglicherweise gestorben. Der Arzt bestreitet alle Vorwürfe. Der Prozess läuft seit August 2013. Ein Ende ist nicht abzusehen.

lni

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