Die ruhige Form des Wanderns

Auf den Spuren der Harzer Eseltreiber

+
Esel Felix trägt sein Bündel gelassen – Reisenden gefällt der langsame Trott.

Osterode - Einst war es der Weg der Eseltreiber im Oberharz. Nun können Reisende diese ruhige Form des Wanderns wiederentdecken.

Unkas ist unruhig. Der Hund bleibt kurz stehen, schaut und wittert. Ihm missfällt, dass Felix zurückgeblieben ist, um am Wegesrand Grünes zu rupfen. Unkas rennt auf den grasenden Esel zu und stupst ihn leicht an. Schon trotten der eigenwillige Felix und der Wanderer, der ihn an einer Leine hält, gemächlich hinter den anderen Eseln und ihren Begleitern her.

Der Trupp ist am Morgen in Osterode aufgebrochen. Das Ziel ist Buntenbock, ein kleiner Ort im Oberharz. Die Wanderer bewegen sich dabei auf alten Pfaden, auf denen in früheren Jahrhunderten die Eselkarawanen gezogen sind, um die Bergbauorte im Oberharz mit Getreide, Hülsenfrüchten und anderen Lebensmitteln zu beliefern.

Verantwortlich für die Versorgung der Bergleute war die Osteroder Eseltreiber-gilde. Die Händler kauften den Bauern im Vorharz ihre Erzeugnisse ab und zogen dann mit Karawanen von zwanzig oder mehr Tieren in die höher liegenden Bergbaugebiete, die wegen der schlechten Wege mit Karren kaum zu erreichen waren. In Osterode erinnert das Eseltreiberdenkmal noch heute an den damals hoch angesehenen Berufsstand. Das historische Kornmagazin, in dem das Getreide vor dem Weitertransport gelagert wurde, ist eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Manuela und Jens Habich haben die alte Tradition der Eselkarawanen wiederbelebt. Die Eheleute, die hauptberuflich Trekkingreisen durch den Harz organisieren, bieten seit einigen Jahren auch Wanderungen mit Eseln an. „Diese Touren werden immer beliebter“, sagt Monika Wendt vom Touristenbüro der Stadt Osterode. „Wir haben viele Anfragen.“

Eine bevorzugte Route ist der alte Weg der Eselstreiber von Osterode nach Buntenbock. „Etwa zweimal jede Woche mache ich die Tour“, sagt Manuela Habich. „Oft sind Kinder dabei. Die meisten lieben es, die Esel vorher zu putzen, ihnen die Hufe auszukratzen und sie zu bepacken.“ Es gebe aber zunehmend auch Gruppen von Erwachsenen, die diese besondere, ganz ruhige Form des Wanderns genießen, sagt Habich.

Oberhalb des kleinen Örtchens Lerbach legen Menschen und Tiere dann eine Rast ein. Während die Esel auf der jetzt im Sommer sattgrünen Skiwiese grasen, wartet der Osteroder Fleischermeister Lars-Oliver Eggers in der Hütte mit Spezialitäten aus seiner Schlachterei. „Die typische Harzer Wurst und dazu frisch gebackenes Brot - das kommt bei Wanderern gut an“, sagt Eva Ronkainen vom Tourismusverband HTV. Während es sich Wanderer und Esel gut gehen lassen, wird Unkas unruhig. Der Treibhund will weiter. Bis Buntenbock sind es ein paar Kilometer.dpa

Matthias Brunnert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare