Familienfehde in Lüneburg

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach Blutrache

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Foto: Nach einer blutigen Familienfehde in Lüneburg hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben.

Lüneburg - Nach einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zwei kurdischen Familienclans in Lüneburg hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Am 5. September 2014 war es erst zu einer Massenschlägerei gekommen, einen Tag später zu einer Schießerei vor dem Klinikum.

Nach der blutigen Auseinandersetzung zweier Großfamilien vor dem Klinikum Lüneburg hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Bei dem Konflikt der Familien libanesisch-kurdischer und türkisch-kurdischer Herkunft war es am 5. September zunächst zu einer Massenschlägerei in einem Fitnessstudio gekommen, nach der mehrere Teilnehmer verletzt ins Krankenhaus kamen. Dort fielen am nächsten Tag Schüsse, drei Männer wurden getroffen. Nun sollten sich sieben zwischen 26 und 34 Jahre alte Männer aus der einen Familie vor Gericht verantworten, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Darunter sei ein Mann, der zum Tatzeitpunkt Polizeimeisteranwärter gewesen sei, sagte sie. Der damals 31-Jährige wurde wenig später in Schleswig-Holstein vom Dienst suspendiert. Mittlerweile sei er entlassen worden, sagte ein Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel.

Angriff „im Sinn einer Blutrache“

Es soll um Rache und gekränktes Ehrgefühl nach der Schlägerei in dem Sportstudio gegangen sein. „Durch dieses Geschehen dürfte die eine Familie ihre Ehre derart tangiert gesehen haben, dass sie beschloss, sich an der anderen Familie zu rächen“, sagte die Sprecherin. Den Angeschuldigten werde vorgeworfen, der anderen Familie aufgelauert zu haben. Bewaffnet mit Baseballschlägern, Schlagstöcken, Pfefferspray sowie einer Pistole und einem Revolver sollen sie diese dann „überfallen und im Sinne einer Blutrache verletzt“ haben. Dabei hätten sie den „Tod von Mitgliedern der verhassten Familie“ zumindest billigend in Kauf genommen.

Acht Angehörige der überfallenen Familie wurden teils schwer verletzt. Zwei Männern wird vorgeworfen, auf einen der Verletzten eingeschlagen und -getreten zu haben, um ihn zu töten. Ein anderer soll versucht haben, einen Angeschossenen mit dem Auto zu überfahren. Der Mann konnte sich in letzter Sekunde wegdrehen und erlitt Knochenbrüche. Gegen vier Angeschuldigte erließ das Amtsgericht Lüneburg Haftbefehle, darunter der 33 Jahre alte mutmaßliche Schütze. „Die Angeschuldigten haben die Vorwürfe bestritten oder keine Angaben zur Sache gemacht“, sagte die Sprecherin.

Zu den Ursachen der seit Jahren schwelenden Fehde hatte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen wollen. Eine der Familien gehört den sogenannten Mhallamiye-Kurden an. Clans dieser ethnischen Minderheit bereiten den Strafverfolgern in Deutschland seit langem Kopfzerbrechen. Staatliche Autoritäten werden von Angehörigen der M-Kurden oft nicht anerkannt.

dpa

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