Mord an Peggy

Staatsanwaltschaft fordert Freispruch

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Der Angeklagte Ulvi K. mit seiner Betreuerin Gudrun Rödel und seinem Anwalt Jan Astheimer.

Bayreuth - Im neu aufgerollten Prozess um die seit 13 Jahren spurlos verschwundene Peggy aus Oberfranken hat die Staatsanwaltschaft ihre Mordanklage gegen den geistig Behinderten Ulvi K. fallen lassen.

Die Vertreterin der Anklagebehörde plädierte am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth auf Freispruch. „Wir haben letztendlich nur das Geständnis des Angeklagten. Wenn dieses aber möglicherweise falsch war, dann muss gelten: Im Zweifel für den Angeklagten“, sagte Staatsanwältin Sandra Staade.

Die Schülerin Peggy wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst, eine Leiche wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde Ulvi K. im April 2004 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. In dem neuen Prozess ging es um die Frage, wie glaubhaft sein Obwohl bis heute keine Leiche des Mädchens gefunden wurde, gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus. In einem ersten Prozess verurteilte das Landgericht Hof vor zehn Jahren Ulvi K.

Im ersten Prozess vor dem Landgericht Hof vor zehn Jahren hatte der Gutachter das Geständnis noch als glaubwürdig dargestellt, obwohl es K. später zurückgenommen hatte. Einen Anspruch auf Entschädigung für Ulvi K. sieht die Staatsanwaltschaft nicht. Dieser war wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden, wo er bis heute untergebracht ist. Seine Haftstrafe musste er noch nicht antreten.

Verteidiger Michael Euler sagte, für seinen Mandanten dürfe es nicht nur einen Freispruch nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten geben. „Alles, was er gestanden hat, ist widerlegt“, sagte Euler zur Beweisaufnahme im Wiederaufnahmeverfahren. So gebe es auch keine Beweise für einen sexuellen Missbrauch von Peggy durch Ulvi K..

Die Staatsanwaltschaft hatte als Mordmotiv eine Vergewaltigung des Mädchens durch den Angeklagten angenommen. K. habe sich ein paar Tage danach bei Peggy entschuldigen wollen. Die Situation sei dann eskaliert und er habe sie getötet. Sein Mandant beteuere „aufrichtig und glaubhaft“, dass es diesen Missbrauch nicht gegeben habe, sagte Euler. Das damalige Geständnis war - es ähnelte der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig. Das wurde aber erst später bekannt.

„Wir haben keine Spuren, keinen Tatort, keine Leiche. Wir haben nur das Geständnis des Angeklagten“, sagte Staade. Ein Gutachter kam in dem neuen Prozess zu dem Ergebnis, Ulvi K. könne sich das Geständnis auch ausgedacht haben. „Ein mit hoher Wahrscheinlichkeit richtiges, aber nicht ausschließbar falsches Geständnis kann nicht Grundlage für eine Verurteilung sein“, betonte die Staatsanwältin.

dpa

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