Spionageverdacht

Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen ADAC

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Foto: Der ADAC soll seine Mitarbeiter bespitzelt haben. Die Justiz leitete Ermittlungen ein, der ADAC weist die Vorwürfe zurück.

Hannover - Beim ADAC in Niedersachsen rumort es. Aufgrund einer Anzeige des Betriebsrates ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover. Der Vorwurf: Bespitzelung der Mitarbeiter. Der Automobilklub weist alles von sich und vermutet gar eine Meuterei.

Die Behörde hat Ermittlungen unter anderem gegen den Geschäftsführer des Landesverbandes, Hans-Henry Wieczorek, eingeleitet. „Es besteht ein Anfangsverdacht, dass die Arbeit des Betriebsrats behindert wurde“, sagte Staatsanwalt Oliver Eisenhauer dieser Zeitung. Die Strafverfolger prüfen jetzt, ob die Geschäftsleitung des ADAC gegen § 119 des Betriebsverfassungsgesetzes verstoßen hat, in dem es um „Straftaten gegen Betriebsverfassungsorgane und ihre Mitglieder“ geht. Sie können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Ende Februar sei bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige des Betriebsrats eingegangen, erläuterte Eisenhauer. „Die darin erhobenen Vorwürfe waren detailliert und in sich schlüssig.“ Man habe dem inzwischen eingeschalteten Rechtsanwalt des ADAC eine Frist bis Mitte April gesetzt, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen unter anderem, weil sich die ehemalige Leiterin der IT-Abteilung des ADAC Niedersachsen, Marion W., zu Wort gemeldet hatte. Wie die HAZ bereits berichtete, erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Landesverband, die sie am Dienstagabend in der Fernsehsendung „Panorama 3“ wiederholte: Sie sei von ihren Chefs angehalten worden, E-Mails von Mitarbeitern einzusehen und sie „der Führungskraft zur Verfügung zu stellen“. Zudem musste sie Mails nach bestimmten Schlüsselwörtern durchsuchen und den Mailverkehr des Betriebsrats beobachten. Monatelang will Marion W. von ihren Vorgesetzten zu den Recherchen angehalten worden sein. Sie fühle sich „als Spitzel missbraucht“, sagt sie in dem Fernsehbeitrag.

In einem 16-seitigen Schreiben ihres Rechtsanwalts an den ADAC, das der HAZ vorliegt, wird Marion W. noch deutlicher. In dem Brief ist nicht nur von der Bespitzelungsaffäre die Rede. Die Computerspezialistin berichtet auch von der regelmäßigen Nutzung von Dienst-Laptops für private Zwecke durch die Geschäftsleitung des Automobilclubs und dem Fund pornographischer Filme auf einem Dienst-Handy und einem Dienst-Laptop.

Der ADAC, dessen Landeszentrale sich in Laatzen befindet, hat sich angesichts der massiven Anschuldigungen inzwischen Verstärkung ins Team geholt. Der bekannte PR-Berater Klaus Kocks ist vom Landesverband mit der Aufgabe betraut worden, in dieser Sache Stellungnahmen für den Automobilclub abzugeben. Zur Sache will sich Kocks, der sich einen Namen als enger Berater des früheren VW-Chefs Ferdinand Piech gemacht hat, derzeit mit dem Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht äußern. „Ich kann nur sagen, es hat niemals und zu keinem Zeitpunkt Anweisungen zur Bespitzelung des Betriebsrates gegeben“, sagt er.

Das Thema dürfte auch bei der Mitgliederversammlung des ADAC-Landesverbandes, bei dem knapp 140 Mitarbeiter arbeiten und der seinen Sitz in Laatzen hat, am Sonnabend in Celle eine wichtige Rolle spielen. Bei dem Treffen sollen vier von sechs Mitglieder des Vorstandes des Automobilclubs neu gewählt werden.

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