Oldenburg wählt ab

Die Stadt der strauchelnden Bürgermeister

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Das Rathaus in Oldenburg: Der amtierende Oberbürgermeister Gerd Schwandner verlässt seinen Arbeitsplatz freiwillig. Seine Vorgänger Dieter Holzapfel, Jürgen Poeschl und Dietmar Schütz wurden nach einer Amtszeit abgewählt.

Oldenburg - Der Stadt Oldenburg steht in zehn Tagen wieder ein Machtwechsel bevor. Am 28. September wird hier ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und erstmals müssen die Bürger der drittgrößten Stadt Niedersachsens dabei auf ihr politisches Hobby verzichten: Oberbürgermeister abwählen.

Denn seit Einführung der neuen Kommunalverfassung in den neunziger Jahren haben die Oldenburger keinem ihrer Oberbürgermeister mehr als eine Amtszeit zugestanden. Dann jagten sie ihn vom Hof. Der bis Ende Oktober amtierende parteilose Gerd Schwandner (63) hat dieses Schicksal nur durch frühzeitigen Verzicht auf eine erneute Kandidatur vermieden.

Angesichts der spektakulären Umstände seiner Wahl vor acht Jahren war Schwandners früher Rückzug durchaus weise. Die CDU hatte den ehemaligen Landtagsabgeordneten der Grünen aus Baden-Württemberg 2006 gemeinsam mit den Grünen in der Stichwahl durchgesetzt. Entscheidend für das Zweckbündnis war Schwandners Versprechen, den Bauantrag für ein umstrittenes Einkaufszentrum in der Innenstadt nicht zu unterschreiben. Schwandner wurde gewählt - und unterschrieb kurz darauf mit Rückendeckung der CDU. Schwarz-Grün war damit geplatzt.

Dass Schwandners Nachfolger erst am 28. September gewählt wird, liegt wieder an Oldenburger Besonderheiten. Anders als 215 Städte und Gemeinden in Niedersachsen hatte der Rat der Stadt den Wahltermin nicht mit der Europawahl im Mai zusammengelegt, sondern sich für einen späteren Zeitpunkt entschieden. Festgelegt hat dies eine Art Notgemeinschaft aus CDU und Grünen. Die Parteien nannten für den späten Wahltermin allerlei allgemeine Erwägungen, ihre eigentlichen Motive waren indes eher handfester Art: Beide hatten Probleme mit der Kandidatenfindung und brauchten schlichtweg Zeit. Vor allem, weil die SPD in einer deutlich komfortableren Lage war. Bei der stärksten Ratspartei stand der Kandidat seit Langem fest.

Der Landtagsabgeordnete Jürgen Krogmann (50) hatte bereits im Juli 2013 seinen Hut in den Ring geworfen - und, ungewöhnlich genug, niemand in der SPD widersprach. Der studierte Historiker und gelernte Journalist hat eine ambivalente Beziehung zum Rathaus und zum Amtsinhaber. Krogmann hatte seit 1993 im Presseamt der Stadt gearbeitet und war seit 2006 Sprecher der Stadt. Als der neugewählte Oberbürgermeister Schwandner ihn umgehend im Baudezernat entsorgte, setzte Krogmann ganz auf die Politik. 2008 knöpfte er dem damaligen CDU-Wissenschaftsminister Lutz Stratmann, der Schwandner nach Oldenburg geholt hatte, das Direktmandat zum Landtag ab und leitete so Stratmanns Karriereende ein. Im Frühjahr 2011 wurde Krogmann Oldenburgs SPD-Vorsitzender und im Herbst 2011 mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten stadtweit in den Rat gewählt.

Dass Krogmann am 28. September als Favorit ins Rennen geht, liegt auch daran, dass CDU wie Grüne bei der Kandidatensuche ins Straucheln gerieten und letztlich mit Notlösungen vorlieb nehmen mussten. Zwar bilden die Grünen mit der SPD ein Ratsbündnis. Dennoch führten sie mit der CDU Gespräche über einen gemeinsamen OB-Kandidaten - und zwar gegen den SPD-Mann. Dies gehört ebenso zu den Besonderheiten Oldenburger Politik wie die Tatsache, dass trotz schriftlich fixierter rot-grüner Ratsmehrheit wesentliche Entscheidungen mit Rot-Schwarz (ein Windpark) oder Grün-Schwarz (Wahltermin) gefallen sind. Die Grünen, die als zweitstärkste Ratsfraktion unbedingt erstmals die Stichwahl erreichen wollen, gaben im vergangenen Sommer zwei Tage nach der Krogmann-Kandidatur die Bildung einer Findungskommission bekannt. Als nach einigen Wirrungen die Kommission die parteilose Marion Rieken (53) als Wunschlösung präsentierte, fragten etliche in der Stadt „Marion wer?“ Rieken, eine gelernte Verwaltungsfachangestellte und studierte Politikwissenschaftlerin aus Jever, arbeitet seit neun Jahren als hauptamtliche Vizepräsidentin der Universität Vechta.

Die CDU, bei der letzten Ratswahl im Jahr 2011 mit nur noch 20 Prozent auf den dritten Platz zurückgefallen, hatte gleichfalls eine Kommission gebildet und ihren Kandidaten eigentlich schon im November vorstellen wollen. Daraus wurde nichts. Die Union handelte sich bei ihrer Suche jede Menge Absagen ein. Als die Parteiführung Ende Februar ein paar Tage nach den Grünen Knall auf Fall und eher ungeplant entschied, war die Verwunderung groß: Der parteilose Werbefachmann Christoph Baak (48) soll’s richten. Der Vorsitzende des City-Managements Oldenburg verfügt über ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, mit dem er seine fehlende politische Erfahrung offen kommuniziert. Am letzten Tag der Frist meldete sich ein Vertreter Wählergemeinschaft WFO: Heinz Kreuzwieser, 62 Jahre alter Gastwirt mit DKP- und CDU-Vergangenheit. Das könnte Folgen haben: Wenn er genügend Unzufriedene an die Urne holt, könnte das Krogmanns Wahl im ersten Akt verhindern.

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