Wilhelmshaven

Stadt verbietet Rockerkutten beim Hafenfest

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Kutte unerwünscht? Es kommt darauf an, welches Abzeichen zu sehen ist.

Wilhelmshaven - Rocker nicht erwünscht - mit dieser Ansage betritt Wilhelmshaven beim heute beginnenden Hafenfest rechtliches Neuland. Die Stadt hat zum viertägigen 40. Fest an der Jade ein Kuttentrageverbot verfügt.

Kleidung mit Abzeichen der Motorradklubs Hells Angels, Bandidos, Mongols und mehrerer Unterstützergruppen werde bei dem bunten Treiben in diesem Jahr nicht geduldet, sagte Oberbürgermeister Andreas Wagner am Mittwoch. „Wir setzen ein deutliches Zeichen, dass bestimmte Gruppen unerwünscht sind.“

Hintergrund sind Bestrebungen von Rockerklubs, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, seit dem Verbot der Hells Angels in Bremen im vergangenen Jahr in der Jadestadt Fuß zu fassen. Mehrfach bemühten sich Unterstützergruppen wie die Brigade 81 nach Angaben der Polizei, in Wilhelmshaven ein Vereinsheim zu gründen. Ein mutmaßlicher Hells-Angels-Unterstützer übernahm eine Gaststätte, die er in den Klubfarben Rot-Weiß dekorierte. Ruhestörungen und Schmierereien an Hauswänden nahmen zu, auch gab es gewalttätige Auseinandersetzungen rivalisierender Banden. Eine Gaststätte sei gestürmt und dort Reizgas versprüht worden, zuletzt schlugen Ende Mai Rocker einen 20-Jährigen zusammen. In anderen Fällen ermittelte die Polizei wegen Landfriedensbruchs, Erpressung, Bandendiebstahls und Waffenbesitzes.

„Wir müssen als Stadt Flagge zeigen, wir wollen das nicht“, sagte Stadtsprecher Arnold Preuß. Im vergangenen Jahr hätten sich Besucher des Hafenfestes von sich Platz verschaffenden Pulks von Rockern eingeschüchtert gefühlt. Das Kuttenverbot in diesem Jahr stütze sich auf das niedersächsische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Ein Vorbild nehme sich Wilhelmshaven an Oldenburg, das Rocker ebenfalls des Stadtfestes verweise - allerdings ohne eine Verfügung erlassen zu haben.

Die Polizei will ihre Präsenz beim Wilhelmshavener Fest in diesem Jahr erhöhen. Sollten Rocker die Verbotsschilder in den Eingangszonen missachten, seien schnell Beamte zur Stelle, sagte Klaus-Dieter Schulz, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. „Wir sind vorbereitet.“ Er betonte, dass sich das Verbot nur auf Abzeichen der Klubs Hells Angels, Red Devils, Brigade 81, Street Crew, Bandidos, Gremium, Alte Werte, Satudarah und Mongols beziehe. In der Stadt gebe es 16 Motorradklubs mit zum Teil langer Tradition, die mit gewaltbereiten Rockern nichts zu tun hätten. Umgekehrt hätten Klubs, die sich außerhalb der Gesetze sehen, auch Mitglieder, die nicht Motorrad fahren. „Wir werden differenziert vorgehen“, sagte Schulz.

Zum Hafenfest werden mehr als 300 000 Besucher erwartet. Geboten wird ein Programm auf acht Bühnen, 80 Musikgruppen treten auf, viele Schiffe können besichtigt werden.

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