Möglicher Fleischskandal in Bad Bentheim

Starke Vorwürfe, schwache Beweise

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Foto: Die Staatsanwaltschaft hat in Bad Bentheim keine zwingenden Beweise für einen Fleischskandal gefunden.

Oldenburg/Bad Bentheim - Die Aussagen von ehemaligen Arbeitern eines Betriebs in Bad Bentheim deuten auf einen neuen Gammelfleischskandal hin. Für die Staatsanwaltschaft Oldenburg ist die Beweislage aber äußerst dünn.

Für einen Gammelfleischskandal in Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft außer Zeugenaussagen bislang keine Beweise. „Die Durchsuchung im Juni hat zwar Hinweise auf verdorbene Ware im Wareneingang des Unternehmens ergeben, ob diese Ware aber für die Verarbeitung als Lebensmittel bestimmt war, ist unklar“, sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag. Nach Aussagen von Ex-Mitarbeitern eines Betriebs in Bad Bentheim wurde tonnenweise schlechtes Fleisch mit gutem vermischt und verkauft.

Eine Untersuchung von fünf Proben, die im Juni genommen wurden, hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft ergeben, dass das Fleisch nicht für die Verarbeitung als Lebensmittel geeignet war. Dennoch sei die Beweislage sehr schwierig, sagte der Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen des Verdachts von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten. Sie prüft, ob der Betrieb sogenanntes Separatorenfleisch nicht als solches ausgezeichnet hat. Separatorenfleisch wird maschinell von den Knochen gelöst und darf nur verwendet werden, wenn die Produkte entsprechend gekennzeichnet sind. Nach Angaben des Sprechers besteht der Verdacht, dass falsche Veterinärzeugnisse für den Export ausgestellt wurden, welche die Herkunft des Fleischs verschleierten.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde verlangte eine schnelle Aufklärung. „Sollten sich die Behauptungen der ehemaligen Mitarbeiter dieses Betriebes bewahrheiten, müssen sofort strafrechtliche Konsequenzen folgen“, teilte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff mit. „Wir haben in Deutschland die höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards im Lebensmittelbereich, die tagtäglich mit großem Aufwand von der Lebensmittelwirtschaft eingehalten werden. Es ist unerträglich, dass einzelne Betriebe mit kriminellen Energien diesen Einsatz zu Nichte machen und eine ganze Branche an den medialen Pranger stellen“, sagte er.

Die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ forderte die Politik auf, für mehr Transparenz zu sorgen. Jährlich fielen bei Kontrollen rund 25 Prozent der Lebensmittelbetriebe mit kleineren oder größeren Unregelmäßigkeiten auf, sagte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. „An dieser Zahl ändert sich deswegen nichts, weil die Befunde nicht veröffentlicht werden.“ Außerdem müssten gesetzliche Rahmen geschaffen werden, damit Insider sich ermutigt fühlen, Missstände öffentlich zu machen. „Wenn man sich anschaut, wer die Gammelfleischskandale der letzten Jahre aufgedeckt hat, waren es immer wieder mutige Mitarbeiter.“

Der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) wendete sich direkt an die Angestellten. „Wir können nur bitten, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kenntnis von möglichen Verstößen gegen den Verbraucherschutz und/oder die Lebensmittelsicherheit erlangen, an die zuständigen Behörden und Staatsanwaltschaften wenden“, sagte er laut Mitteilung. „Die Täuschung der Verbraucher und die Verwendung minderwertiger Ware ist kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug an den vielen ehrlichen Unternehmen und Verbrauchern.“

dpa

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