200 Spitzel

Stasi in Niedersachsen war sehr aktiv

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Im Fokus der Spionageaktivitäten standen Industrie- und Forschungseinrichtungen.

Hannover - Niedersachsen war Ende der achtziger Jahre stärker von Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit unterwandert als bisher angenommen. Der Historiker Georg Herbstritt geht davon aus, dass die Stasi rund 200 Zuträger im Land hatte.

Aufstellungen der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) legten diese Annahme nahe. „Niedersachsen hatte eine sehr lange gemeinsame Grenze zur DDR. Natürlich wollte die Stasi wissen, wie diese Grenze gesichert und bewacht wird“, sagte Herbstritt dem NDR. Ein wichtiges Ausspähziel sei daher der Bundesgrenzschutz gewesen. „Im Fokus standen aber auch Industrie- und Forschungseinrichtungen“, ergänzte BStU-Leiter Roland Jahn.

Auch die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes im Land war zeitweise praktisch lahmgelegt. Gleich zwei Beamte hatten in Niedersachsens Geheimdienstzentrale unabhängig voneinander geheime Operationen an die Stasi verraten. „Das hat nicht nur dem Land Niedersachsen geschadet, sondern zweifelsfrei auch der Bundesrepublik großen Schaden zugefügt“, sagte Gerhard Glogowski, Anfang der neunziger Jahre Innenminister des Landes, dem NDR. Der Sender setzt in dieser Woche unter anderem in „Hallo Niedersachsen“ einen Schwerpunkt auf dieses Thema.

Die beiden Männer in der Spionageabwehr waren nicht die einzigen Topspione in Niedersachsen. Mindestens sieben Bürger haben hochwichtige Informationen an die Staatssicherheit verraten. Eine davon war eine Sekretärin im Innenministerium. Über Jahrzehnte ließ die Frau der DDR streng vertrauliche Papiere zukommen. Darunter war auch der sogenannte Zivilen Alarmplan – ein sensibles Dokument, das regelte, wie im Verteidigungsfall die Bevölkerung zu schützen sei. Insgesamt bekam die Sekretärin, die fünf Tage vor ihrer Pensionierung enttarnt und in den neunziger Jahren vom Oberlandesgericht Celle verurteilt wurde, für ihre Bemühungen einen Agentenlohn von fast 170 000 DM.

Historiker Herbstritt meint, dass vor allem die Bezahlung viele Informanten zur Stasi gebracht hat. „Es gab IM, die aus politischen Motiven heraus für die Stasi spioniert haben. Aber den allermeisten ging es irgendwann ganz klar um Geld“, sagte er.

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