Reisende müssen ausharren

ICE steckt vier Stunden in Tunnel fest

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Foto: Ein ICE blieb vier Stunden in einem Tunnel stehen, 450 Fahrgäste mussten umsteigen.

Idstein - Die ICE-Fahrt von Frankfurt nach Köln dauert normalerweise eine gute Stunde. Ostermontag waren Reisende mehr als fünfmal so lange unterwegs, weil ihr Zug in einem Tunnel feststeckte. Schuld war vermutlich ein Vogel. Pro Bahn nannte das Pannenmanagement der Bahn peinlich.

Rund 450 Bahnreisende haben wegen einer ICE-Panne am Ende des Osterwochenendes stundenlang in einem Tunnel festgesteckt. Etwa vier Stunden lang mussten die Fahrgäste zwischen Frankfurt und Köln in der Nacht zum Dienstag in dem 2,5 Kilometer langen Tunnel ausharren. Nach ersten Vermutungen war ein Vogel bei Idstein in Hessen gegen die Oberleitung geflogen und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Die Reisenden konnten später in einen Ersatzzug umsteigen, verletzt wurde niemand.

Der ICE war um kurz nach 20 Uhr in Frankfurt gestartet. Erst nach Mitternacht konnten die Passagiere in einen anderen Zug umsteigen, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Dienstag in Frankfurt sagte. Nach Angaben der Deutschen Bahn konnten die Fahrgäste gegen 1.15 Uhr die Fahrt nach Köln fortsetzen. Der liegengebliebene ICE wurde abgeschleppt. Zu Berichten, während der Wartezeit sei der Notstrom des Zuges knapp geworden und die Passagiere hätten im Dunkeln gesessen, war von der Deutschen Bahn zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte das Pannenmanagement der Deutschen Bahn als "peinlich". Dass Fahrgäste vier Stunden in einem Tunnel festsaßen, sei nicht hinnehmbar, sagte Pro Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Laumann. "So etwas darf nicht passieren."

Es diene nicht der Vertrauensbildung, wenn eine solche Aktion mehrere Stunden dauere. "Es muss möglich sein, binnen kurzer Zeit für Ersatz zu sorgen." Die Strecke Frankfurt-Köln sei nicht abgelegen, und der betroffene Tunnel wäre von Frankfurt aus in einer halben Stunde zu erreichen gewesen.

Laut Bundespolizei war bei den Bergungsarbeiten ein toter Vogel im Gleisbett gefunden worden, der offenbar gegen die Oberleitung geflogen war und den Kurzschluss verursacht hatte. Die Strecke zwischen Frankfurt und Köln sei zeitweise nur eingleisig befahrbar gewesen. Sie konnte schon in der Nacht wieder in beide Richtungen benutzt werden, wie eine Bahnsprecherin sagte. Es kam aber auch am Dienstagmorgen noch zu Verspätungen.

Wenn Passagiere im Tunnel ausharren müssen:

Oktober 2011: In der Schweiz bleiben 200 Fahrgäste im drittlängsten Eisenbahntunnel der Welt stecken. Sie müssen eine Stunde im 34,6 Kilometer langen Lötschberg-Basistunnel ausharren, bis Feuerwehrleute sie durch einen Verbindungsstollen in einen Ersatzzug lotsen. Ihr Zug hatte Bremsprobleme.

Oktober 2010: Rund 600 Reisende müssen fast vier Stunden im Neuberg- Tunnel bei Würzburg warten. Der ICE von Hamburg nach München hatte eine Notbremsung gemacht, weil sich ein Mann auf die Gleise geworfen hatte. Die Passagiere mussten in einen Ersatzzug umsteigen.

Oktober 2010: In einem 168 Meter langen Tunnel vor dem Leipziger Hauptbahnhof stecken rund 310 Passagiere eines ICE zwei Stunden lang fest. Im Tunnel liegt kein Strom, er wird normalerweise durchrollt. Der Zug mit nur einem funktionierenden Stromabnehmer hatte aber nicht genug Schwung und blieb liegen.

August 2010: Im Pulverdinger Tunnel bei Vaihingen an der Enz in Baden-Württemberg bleibt ein ICE mit 420 Fahrgästen stecken. Grund ist ein Motorschaden. Vier Fahrgäste müssen nach stundenlanger Wartezeit ohne Klimaanlage mit Kreislaufproblemen medizinisch versorgt werden, bevor die Passagiere in einen Ersatzzug umsteigen können.

März 2010: Wegen einer unterbrochenen Stromversorgung bleibt in Unterfranken ein ICE kurz vor einer Tunnelausfahrt stehen. Nach einer Stunde und 40 Minuten müssen 130 Fahrgäste nahe der Ortschaft Burgsinn auf offener Strecke in einen anderen Zug umsteigen.

Dezember 2009: Nach einer Pannenserie beim Eurostar sitzen mehr als 2000 Passagiere stundenlang im Tunnel unter dem Ärmelkanal fest. Vier Hochgeschwindigkeitszüge sind zwischen Frankreich und Großbritannien blockiert. Im Januar 2010 steckt erneut ein Eurostar für zwei Stunden fest.

dpa

Der Artikel wurde aktualisiert.

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