Steinbrück bei Hildesheim

Steinbrück wartet auf Steinbrück

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Foto: Namensvetter: Bei Hildesheim gibt es einen Ort mit dem Namen "Steinbrück" – so wie auch der Kanzlerkandidat Peer mit Nachnamen heißt.

Steinbrück - Wer den gleichen Namen teilt, den verbindet nicht gleich was. Aber man kann sich ja mal beschnuppern. Der kleine Ort Steinbrück bei Hildesheim jedenfalls hätte nichts dagegen, wenn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vorbeikäme. Eine Einladung ist das aber nicht.

In Berlin hacken sie oft auf ihm rum, in Steinbrück manchmal. Anders als in der Hauptstadt wäre es in dem kleinen Weiler bei Hildesheim aber eine Sensation, wenn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dort plötzlich um die Ecke käme.

Auch wenn es in dem 128-Einwohner-Ort nicht so viele Ecken gibt, findet man das allerdings gar nicht so abwegig. Wenn Peer schon so heißt wie ihr kleiner Ort, könnte er ruhig auch vorbeischauen, findet so mancher Bewohner. Auch Bürgermeister Christian Böhme, der für die Wählergemeinschaft Steinbrück (WGS) Politik macht, gefällt der Gedanke irgendwie. "Es hätte schon was", sagt er. Offiziell einladen will er den Spitzenpolitiker aber lieber nicht. Ein Briefkasten, eine Bushaltestelle, zwei Kirchen mit Friedhöfen, ein Vereinshaus und eine mittelalterliche Burg: Was Steinbrück zu bieten hat, ist schnell aufgezählt und schnell angeschaut. Der Rest ist Vergangenheit. Die Telefonzelle steht schon länger nicht mehr, die Dorfkneipe hat vor Jahren dichtgemacht, und wer frische Brötchen will, muss zum Bäcker in den Nachbarort fahren. Bürgermeister Böhme redet die Lage nicht schön. "Die jungen Leute ziehen leider weg", sagt der 47-Jährige. Bewohner zwischen 20 und 35 gebe es so gut wie keine.

Mit Peer Steinbrück könnte man in Steinbrück also über ein typisches Politiker-Thema reden: den demografischen Wandel. Böhme wirkt angesichts der Lage weder resigniert noch verzweifelt - er ist in Steinbrück aufgewachsen und kennt den Ort nicht anders. Seit sieben Jahren ist der Landwirt Bürgermeister des Ortsteils der Gemeinde Söhlde. "Einer muss was machen", findet er. Und so führt er eben auch Journalisten bereitwillig durch Steinbrück, das wegen seines Namens in letzter Zeit öfter gefragt ist. Aktiv in die Schlagzeilen will er seine Heimat aber nicht bringen - etwa indem er den politischen Namensvetter einladen würde. "Wir wollen uns nicht parteipolitisch positionieren", erklärt Böhme. Und schiebt doch eine Art passive Einladung hinterher: "Wenn tatsächlich Interesse seitens der SPD besteht, wäre das kein Problem. Ich persönlich würde mich sehr freuen."

Von der SPD in Berlin gab es auf Nachfrage keine Reaktion dazu. Ob Steinbrück während des Bundestagswahlkampfs möglicherweise noch einen Auftritt in dem kleinen Ort einschiebt, blieb unklar. Böhme, dessen wachen und stets etwas belustigt dreinblickenden Augen man Humor ablesen kann, spielt das Gedankenspiel aber schonmal durch. Denn die Frage ist ja: Was würde man mit Peer in Steinbrück machen? "Ja, was soll man mit so einem Mann hier machen?", fragt Böhme zurück und schließt: "Er wäre das Ereignis." Am besten also das Ereignis an den Ort für Ereignisse bringen: Das frisch renovierte Vereinshaus. "Da könnte sich das dann abspielen", sagt Böhme - und ist überzeugt, dass die restlichen Bewohner sich Steinbrück in Steinbrück nicht entgehen lassen würden. Tatsächlich liegt er dabei so falsch nicht. Auch wenn der SPD-Politiker nicht mit bedingungsloser Liebe rechnen dürfte. Detlef Vogel, ein hemdsärmeliger 67-Jähriger, der 20 Jahre Ortsvorsteher war, jedenfalls sagt: "Ich mochte ihn als Finanzminister, aber mich stört, dass er als Sozialdemokrat sein Geld so verdient wie ein Kapitalist." Wenn Steinbrück nach Steinbrück käme, ginge er aber natürlich hin - schließlich könne der Politiker auch was von dem Ort lernen: "Wir haben hier nicht so viele Flügelkämpfe wie in der SPD." Auch Rentner Siegfried Plate, dessen ganzer Stolz ein Renault-Oldtimer ist, ist kein Steinbrück-Fan. Altkanzler Helmut Schmidt findet er besser.

Käme Steinbrück in sein Dorf, würde er ihm das Auto aber gerne zeigen. "Das sieht so klein aus, aber da kann man sogar mit Hut drin sitzen", sagt der 76-Jährige stolz, als er vor dem Wagen steht. Also doch ein Heimspiel für Steinbrück in Steinbrück? Simone Michallek-Hüncken würde in jedem Fall dafür sorgen, dass der Politiker auf dem Teppich bleibt: "Er kann sich geehrt fühlen, dass er so heißt", sagt die 41-Jährige mit deutlicher Betonung auf dem 'er'. Für die Mutter eines achtjährigen Sohnes ist ihr Wohnort nämlich klasse. "Wenn wir Trubel wollen, setzen wir uns ins Auto."

dpa

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