Wulff-Vertrauter Glaeseker vor Gericht

Stets rufbereit im Dienste des Herrn

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Steht ab Montag vor Gericht: Olaf Glaeseker.

Hannover - Er galt als "Spin-Doctor", als "Präsidentenflüsterer". Jahrelang war Olaf Glaeseker der wichtigste Berater Christian Wulffs. Von Montag an muss sich der frühere Sprecher des Minister- und späteren Bundespräsidenten selbst vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Bestechlichkeit vor.

Hannover. Die beiden waren ein eingespieltes Team: Auf der einen Seite Christian Wulff, der anfangs spröde Politiker, der immer beliebter, immer erfolgreicher und schließlich zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Auf der anderen Seite Olaf Glaeseker, sein engster Manager und Image-Berater im Hintergrund. Nun stehen beide wegen des Vorwurfs der Korruption vor Gericht - Wulff seit drei Wochen, Glaeseker vom heutigen Montag an. Aber zwischen ihnen, die nun das Schicksal von Angeklagten in einem Strafprozess teilen, herrscht mittlerweile Eiszeit.

Die turbulenten politischen Ereignisse, die am 17. Februar 2012 im Rücktritt des Bundespräsidenten Wulff gipfelten, haben ihr Vertrauensverhältnis zerstört. Offenbar unwiderruflich.

Im Fall von Wulff prüft das Gericht, ob er sich der Vorteilsannahme schuldig gemacht hat. Die Beziehungen zwischen dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und dem Film-Manager David Groenewold, der auch vom Land Niedersachsen gefördert werden wollte, legen diesen Verdacht nah. Es geht um Einladungen und Vergünstigungen. Ähnlich gelagert, aber mit anderen Ereignissen begründet und anderen Akteuren ausgestattet ist der Fall Glaeseker: Dem früheren Regierungssprecher und Staatssekretär wird vorgeworfen, sich im Dienst für Belange des Event-Managers Manfred Schmidt eingesetzt zu haben, und zwar bei den von Schmidt veranstalteten „Nord-Süd-Dialogen“ zwischen 2007 und 2009. Das waren bunte Abende mit viel Prominenz - zwei in Hannover, einer in Stuttgart. Im Gegenzug soll Glaeseker neun Urlaubsreisen und 19 Freiflüge im Wert von rund 12 000 Euro genossen haben - zu Domizilen von Schmidt in Südspanien und Frankreich.

Glaeseker bestreitet diese Vorwürfe: Erstens sei er mit Schmidt seit vielen Jahren eng befreundet, gegenseitige Einladungen habe es immer gegeben - und zwar schon lange bevor Glaeseker Regierungssprecher in Niedersachsen geworden war. Zweitens sei der „Nord-Süd-Dialog“ zwar von Schmidt veranstaltet worden (angeblich hat er dabei einen hohen sechsstelligen Betrag verdient). Aber Glaesekers Anwälte betonen, diese glitzernden Veranstaltungen mit Stars aus Showbusiness, Wirtschaft und Politik hätten vor allem das Image Niedersachsens und des Ministerpräsidenten Christian Wulff aufpolieren sollen. Als Glaeseker dafür Sponsoren geworben hatte und offenbar Zusagen im Umfang von 650 000 Euro erhielt, sei dies also vor allem im Interesse seines Chefs Wulff und des Landes gewesen. Damit entfalle der Vorwurf der Korruption.

Die dritte Große Strafkammer des Landgerichts Hannover unter Vorsitz von Richterin Renata Bürgel muss nun vor allem klären, wie stark Glaeseker im Auftrag Wulffs für die drei „Nord-Süd-Dialoge“ die Werbetrommel rührte. Tat er dies für den Ministerpräsidenten - oder doch stärker auf Geheiß von Schmidt? Zu prüfen wäre auch, ob es zwischen Glaeseker und Schmidt tatsächlich die behauptete enge Freundschaft gab, in der gegenseitige Einladungen die Regel waren, oder ob die Urlaubsaufenthalte auf Schmidts Anwesen eine Gegenleistung für das Engagement beim „Nord-Süd-Dialog“ waren. Gab es zwischen beiden eine Vereinbarung, dass hier eine Hand die andere wäscht?

Glaesekers Anwälte verneinen das und betonen, es habe sich gar nicht um klassische Urlaubsreisen nach Spanien und Frankreich gehandelt. Der frühere Regierungssprecher und seine Frau hätten Schmidt vielmehr dort angetroffen, wo er zu Hause war. Das seien Freundschaftsbesuche gewesen und keine Ferienvergnügungen. Mit Spannung werden Zeugenaussagen erwartet, in denen es um die besondere Dienstauffassung Glaesekers geht: Hat er sich aufgeopfert an der Seite von Wulff, als unermüdlicher, ständig einsatzbereiter Mitarbeiter und Vertrauter, der alle Aufträge bereitwillig erfüllte und dabei die Distanz verlor? Das Sponsorenwerben für den „Nord-Süd-Dialog“ zählte jedenfalls nicht zu den Aufgaben eines Regierungssprechers. Wenn das so stimmt, dann hätte Glaeseker an Wulffs Seite eine ganz besondere, herausgehobene Rolle gehabt.

Viele Beobachter sehen das auch so. Dies könnte möglicherweise für den Angeklagten entlastend sein. Doch die schriftliche Zeugenaussage von Wulff, in der dieser den Auftrag Glaesekers zum Sponsorenwerben verneint, widerspricht der Darstellung. Rückt Wulff vielleicht nur deshalb von Glaeseker ab, um selbst möglichst wenig mit den Vorwürfen gegen seinen früheren Sprecher zu tun zu haben? Auf jeden Fall wird Wulff selbst noch einmal als Zeuge im Glaeseker-Prozess aussagen müssen, vermutlich wird dies Anfang Februar der Fall sein.

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