Hochwasser in Hitzacker

Die stille Gefahr unter Wasser

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Hitzacker - Die Deiche halten, die Scheitelwelle war da. Doch noch ist die Gefahr in Hitzacker nicht vorüber: Das Treibgut der Elbe droht den Hochwasserschutz zu beschädigen – Rettungskräfte aus der Region Hannover fahren Patrouille. HAZ-Reporter Christian Link berichtet aus dem Hochwassergebiet.

Die Ruhe ist trügerisch. Im Hafen von Hitzacker ragen nur noch ein paar Baumkronen aus dem Wasser. Von den Elbe-Auen, die eigentlich im Flusstal liegen, ist schon seit Tagen nichts mehr zu sehen. Der Fluss hat die Ausmaße eines riesigen Sees erreicht. Die Wassermassen bewegen sich aber weiterhin mit relativ hoher Geschwindigkeit Richtung Norden – etwa sieben Kilometer legt die Elbe hier pro Stunde zurück. Mit den Fluten werden auch Äste und Baumstämme stromabwärts getrieben. Wenn das Treibgut mit der Hochwasserschutzwand von Hitzacker zusammenstößt, könnte es zur Katastrophe kommen.

Um das gefährliche Treibgut zu bergen, sind Dutzende Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) und vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Einsatz. Mit Motorbooten fahren sie den Fluss ab und ziehen alles an Land, was der Schutzwand oder den Deichen gefährlich werden könnte. Was genau passiert, wenn ein dicker Ast oder Baumstamm den Aluminium-Wall trifft, kann niemand vorhersagen. Die Metallteile müssen jetzt schon einem enorm hohen Wasserdruck standhalten. „Wenn die Schutzwand bricht, kommt es zum Super-GAU an der Elbe. Dann läuft die ganze Stadtinsel voll Wasser“, sagt Landrat Jürgen Schulz.

So weit will es Attila Vas vom DRK aus Empelde in der Region Hannover nicht kommen lassen. Bei einer Kontrollfahrt vor Hitzacker fischt er einen armgroßen Ast aus dem Wasser. „So ein Hölzchen kann der Wand eigentlich nicht gefährlich werden“, sagt seine Bootsführerin Sonja Töpfer. Vas schmeißt das Holzstück trotzdem ins Boot. Sicher ist sicher.

Vas und Töpfer halten nach gefährlicheren Baumteilen Ausschau. Davon gibt es am fünften Tag des Einsatzes nicht mehr allzu viele in Hafennähe. „Das THW sammelt weiter flussaufwärts mit vier Booten“, sagt Töpfer. Vorher habe das anders ausgesehen. „In den ersten Tagen mussten wir hier Zickzack fahren, alles war voll mit Treibgut“, erzählt Töpfer. Baumteile in allen Größen, einen Hochsitz, einen Strohballen und sogar einen Fernseher hatten sie bergen müssen.

Bei der Fahrt an der Hochwasserschutzwand gibt es plötzlich einen Schlag. Das Boot ist gegen einen Pfosten dicht unter der Wasseroberfläche gestoßen. Töpfer bleibt gelassen. „Unser Motor hängt zum Glück auf der Kiellinie im Wasser“, sagt sie. Der hohe Elbe-Pegel macht die Arbeit für die Bootsführer schwierig. Viele Hindernisse wie Pfosten, Baumkronen oder Schilder befinden sich knapp unter der Wasseroberfläche.

Der DRK-Einsatz dauert wohl noch bis Anfang nächster Woche. Die beiden ehrenamtlichen Helfer wurden nur bis Donnerstag von ihren Arbeitgebern freigestellt, werden aber wahrscheinlich länger bleiben können. „Mein Chef hatte mir gesagt: Nimm dir Mückenspray mit und komm’ gesund wieder“, erzählt Vas, der als Industriemechaniker bei Continental arbeitet. Eine Frist habe er nicht bekommen. Auch Töpfers Vorgesetzter hat Verständnis für den Hilfseinsatz. Sie arbeitet beim Deutschen Mieterbund in Hannover.

Ein bisschen Spaß ist auch dabei. „Die Stimmung unter den Helfern ist gut“, sagt Töpfer. Dazu tragen das gute Wetter und die Dankbarkeit der Menschen vor Ort bei. Immer wieder würden ihnen Einwohner Kuchen oder andere Aufmerksamkeiten vorbeibringen. „Kuchen ist zwar nicht so meine Welt, aber die Geste zählt“, sagt Vas.

Christian Link

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