Jagdbericht veröffentlicht

Wer stoppt Waschbär und Marderhund?

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Foto: Neu im Revier – und ohne natürliche Feinde: Waschbären bereiten sich in Niedersachsen zunehmend aus, genauso wie Marderhunde.

Hannover - Die Jäger schießen nicht so viel Wild, wie sie eigentlich müssten. Sorge bereiten vor allem Waschbären und Marderhunde. Sie breiten sich in Niedersachsen stark aus und haben keine natürlichen Feinde.

Auch wenn der Anteil der Jäger an der Bevölkerung in keinem anderem Bundesland so groß ist wie in Niedersachsen - zwischen Ems und Elbe, im „Jägerland Nr. 1“ wird längst nicht so viel Wild geschossen, wie es eigentlich notwendig wäre. So leben im Harz derzeit so viele Hirsche, dass die Nationalparkverwaltung unter Hinweis auf die Wildschäden in den Wäldern eine intensivere Bejagung und eine zügige Reduzierung des Rotwildbestandes fordert. Zwei andere Wildarten breiten sich als Neulinge in den Revieren aus: die Marderhunde, die aus dem Osten zuwandern und die Waschbären, die von Hessen aus nach Norden vordringen.

„Diese beiden Arten haben keine natürlichen Feinde“, sagt Helmut Dammann-Tamke, „deshalb steigt die Population stark an.“ Dem Präsidenten der Landesjägerschaft behagt diese Entwicklung nicht, denn Waschbären und Marderhunde richten in der freien Landschaft große Schäden an, indem sie zum Beispiel Nester ausrauben oder die Küken von bodenbrütenden Vögeln auffressen.

„Hier muss die Jagd mit der Falle intensiviert werden“, sagt Dammann-Tamke und verweist darauf, dass Vogelfreunde im Norden und Westen des Landes die Jäger mahnen, aktiver zum Schutz der Bodenbrüter beizutragen.

Aus dem neuen Landesjagdbericht, den Dammann-Tamke am Mittwoch gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) vorstellte, geht auch hervor, dass die niedersächsischen Jäger mit großen Sorgen den Zusammenbruch der Rebhuhn- und Fasanenvorkommen verfolgen. Die Ursachen sind noch nicht erforscht. Für ein Gutachten, das möglicherweise bis zu zwei Millionen Euro kosten könnte, hat der Bund noch kein Geld bewilligt, wohl aber seine Mitwirkung zugesichert, wie Lindemann nach Gesprächen in Berlin betont.

Lindemann appellierte an die Revierinhaber, verstärkt das Damwild zu bejagen. Diese Wildart breite sich erfolgreich aus, insbesondere in den Landkreisen Cuxhaven, Rotenburg/Wümme, Verden und Nienburg sowie im Heidekreis. In der jüngsten Jagdsaison (sie endete am 31. März) wurden in Niedersachsen 12345 Stück Damwild erlegt. Mehr waren es noch nie. Zum Vergleich: Seit 2005 ergab sich ein Anstieg von 45 Prozent. Dammann-Tamke betonte, mittlerweile werde mehr Damwild geschossen, als jährlich zuwachse. Dies sei notwendig, um die Schäden insbesondere in den Wäldern in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen zu halten.

Bei der Jagd auf Wildschweine waren die Jäger in der Saison 2011/12 nicht so erfolgreich wie zuvor. 38350 Stück Schwarzwild wurden erlegt, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 30 Prozent. Über die Ursache für diese Entwicklung sind sich der Minister und der Jägerpräsident einig: Es gab im Herbst vergangenen Jahres extrem viele Eicheln, Kastanien und Bucheckern. Deshalb hatten die Wildschweine in den Wäldern stets einen gut gedeckten Tisch und dachten oft gar nicht daran, sich mit dem von Jägern vor den Hochsitzen verteilten Mais zu stärken. Aktuell sei der Schwarzwildbestand zu groß, deshalb sei das Gebot der Stunde, großräumige Bewegungsjagden zu veranstalten.

Der aktuelle Landesjagdbericht ist unter www.ml.niedersachsen.de zu finden.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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