Affäre beigelegt

Strauss-Kahn einigt sich mit Zimmermädchen

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Zimmermädchen Nafissatou Diallo.

New York - Wie an der Wall Street wird manchmal auch vor Gericht mit Millionen jongliert. Mit Geld soll auch der Fall Strauss-Kahn beendet worden sein. Ob tatsächlich sechs Millionen flossen, wissen nur die Beteiligten. Und die schweigen eisern.

So schweigsam war Kenneth Thompson selten: „Meine Mandantin hat nie ihren Glauben verloren“, sagte der Anwalt von Nafissatou Diallo. Dann verschwand er ohne weitere Worte mit dem Zimmermädchen, das dem damaligen Währungsfondschef Dominique Strauss-Kahn im Mai vergangenen Jahres Vergewaltigung vorgeworfen hatte. Dabei gäbe es so viel zu erzählen. Hat der Franzose ihr jetzt für eine Einigung tatsächlich sechs Millionen Dollar (gut 4,6 Millionen Euro) gezahlt? Nur eines ist klar: Der Fall ist beendet.

„Die Vertreter beider Seiten haben vor zehn Minuten eine Einigung in meinem Richterzimmer unterzeichnet“, sagte der zuständige Richter Douglas McKeon. „Der Fall ist damit abgeschlossen.“ Das gilt auch für Diallos Klage gegen die „New York Post“. Die Zeitung hatte die Frau mit Prostitution in Zusammenhang gebracht. „Auch hier wurde eine Einigung erzielt“, sagte McKeon ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Amerikanische und französische Medien hatten berichtet, dass Strauss-Kahns Deal mit Diallo eine Zahlung von sechs Millionen Dollar festlege. Dafür gab es aber keinerlei Bestätigung. Nach der Einigung trat Diallo mit ihren Anwälten zwar vor Dutzende Mikrofone, aber nach weniger als einer Minute war der als Pressekonferenz angekündigte Auftritt schon wieder beendet. „Gott schütze Euch alle“, sagte sie nur und nach zwei Sätzen von Thompson verschwanden sie in einer schwarzen Limousine. Ansonsten: Kein Wort.

Viele Fakten sind umstritten. Klar ist eigentlich nur, dass Strauss-Kahn - damals einer der mächtigsten Männer der Welt - mit Diallo am 14. Mai 2011 Sex hatte. Der heute 63 Jahre alte Franzose sagt, das sei einvernehmlich gewesen. Die 30 Jahre jüngere Einwanderin aus Westafrika beteuert hingegen, der ihr unbekannte Mann habe sie nackt überfallen und zu Oralsex gezwungen.

Die Staatsanwaltschaft glaubte ihr und nahm Strauss-Kahn aus der Ersten Klasse seines Air-France-Fluges fest. Bilder des unrasierten Prominenten in Handschellen schockierten Frankreich, in den USA erzeugten sie eher Häme. Die „New York Daily News“ schrieben süffisant vom „egozentrischen“ Strauss-Kahn und nutzen das Wort „randy“, was man selbst mit wenig Boshaftigkeit am besten als „geil“ übersetzt. Allerdings sind das zwei Eigenschaften, die selbst Freunde dem kurz DSK genannten nicht absprechen.

Aber auch das Bild Diallos bekam tiefe Kratzer. Schien sie anfangs als streng religiöse, hart arbeitende Einwandererin, die sich und ihre Tochter gerade so ernähren konnte, wurde bald klar, dass sie an entscheidenden Stellen gelogen hatte. Und, dass sie finanziellen Dingen durchaus aufgeschlossen ist. Und da waren noch andere Zweifel. Ist einer der mächtigsten Männer der Welt tatsächlich so dumm, für eine solche Tat alles wegzuwerfen? Wie kann man Oralsex erzwingen? Und warum räumte das Zimmermädchen in aller Ruhe noch das nächste Zimmer auf, bevor es sich bei der Hotelleitung meldete?

Es waren Zweifel an der Glaubhaftigkeit Diallos, die die Staatsanwälte dazu führte, ihre eigene Anklage zurückzuziehen. Zivilrechtlich ist in den USA dennoch ein Urteil möglich, und genau das versuchte Diallo. Um doch noch Gerechtigkeit zu erlangen, sagen ihre Anwälte. Um doch noch Geld herauszuschlagen, sagen seine.

An ein Politik-Comeback dürfte jedoch trotz einer Einigung in New York nicht zu denken sein. In Frankreich muss DSK wegen seiner Beteiligung an Sexpartys mit Prostituierten weiter mit einem Prozess rechnen. Ermittler aus Lille werfen ihm die Beteiligung an bandenmäßiger Zuhälterei vor. Der Ex-Direktor des Internationalen Währungsfonds hat die Teilnahme an Sexorgien in Paris und Washington eingeräumt. Ein Antrag auf Einstellung des Anklageverfahrens läuft. Eine Entscheidung soll am Mittwoch kommender Woche (19.12.) fallen.

Doch selbst wenn auch dieses Strafverfahren eingestellt werden sollte, bleibt für Strauss-Kahn das Problem, dass er die Vorwürfe nie vollständig entkräften konnte. Das war auch bei seiner dritten großen Affäre der Fall. Die heute 33 Jahre alte Schriftstellerin und Journalistin Tristane Banon warf Strauss-Kahn vor, im Jahr 2003 während eines Interviews über sie hergefallen zu sein. Die Staatsanwaltschaft sah es als wahrscheinlich an, dass es eine Sexattacke gab. Das Verfahren wurde nur wegen Verjährung eingestellt.

Die Zukunft Strauss-Kahns? In Frankreich wird vermutet, dass der gefallene Politstar versuchen wird, seinen erstklassigen Ruf als Wirtschaftsexperte zu nutzen - als Gastredner bei internationalen Konferenzen oder als Berater für Großunternehmen. Das Geld könnte er brauchen. Juristen schätzen die Ausgaben für die Justizverfahren der vergangenen Monate auf einen Millionenbetrag. Hinzu kommt nun wohl eine Art Schweigegeld für Diallo. Von seiner sehr vermögenden Frau Anne Sinclair lebt DSK mittlerweile getrennt.

dpa

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