Folgen des Hochwassers

Strecke Hannover-Berlin bis Dezember gesperrt

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Seit Juli werden an der Bahnstrecke Hannover-Berlin die Flutschäden beseitigt.

Hannover - Schlechte Nachrichten für Bahnfahrer: Die Strecke Hannover-Berlin bleibt wegen Hochwasserschäden länger gesperrt als ursprünglich geplant. Wohl erst im Dezember soll die ICE-Trasse wieder freigegeben werden.

Laut Bahn-Chef Rüdiger Grube soll der Verkehr zwischen Hannover und Berlin "spätestens zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember" wieder normal laufen, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". An der Trasse stecke die Feuchtigkeit noch tief im Boden. Erst in diesem Monat könne man sagen, wann der Verkehr normal und ohne Umleitung laufe. Die Strecke war bei Stendal durch das Elbe-Hochwasser in Sachsen-Anhalt schwer beschädigt worden. "Wir sind vom Hochwasser schwer getroffen worden – schlimmer als im Jahr 2002", sagte Grube.

Zwar soll ab dem 9. September eine Nahverkehrstrasse, die prallel zur ICE-Strecke verläuft, eingleisig freigeben werden. Dort sollen auch einzelne Fernverkehrszüge fahren. Die meisten IC- und ICE-Züge werden aber weiter weiträumig umgeleitet. Bahnreisende haben zwei Alternativen: Sie können die Strecke über Braunschweig und Magdeburg nach Berlin nehmen. Oder mit dem ICE nach Hamburg fahren und von dort aus weiter in die Bundeshauptstadt. Beide Reiserouten nehmen mit etwas mehr als drei Stunden ungefähr die gleiche Zeit in Anspruch; die Fahrt über Hamburg ist jedoch wegen der größeren Entfernung deutlich teurer.

In dem Interview mit dem "Focus" gestand Grube zudem ein, dass es im gesamten Streckennetz der Bahn erheblichen Sanierungsbedarf gebe. Der Bahnchef verlangt vom Bahneigentümer – dem Bund – 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr. "Wir brauchen mehr Geld für Tunnel und Brücken", sagte er. Von 34.000 Kilometern Schiene stammten mehr als die Hälfte noch aus dem 19. Jahrhundert. Von 25.000 Eisenbahnbrücken seien 9000 älter als 100 Jahre. 1400 Brücken müssten ganz dringend saniert werden. Zudem forderte der Bahnchef die Bundesregierung auf, die Bahn von der Ökostrom-Umlage zu befreien. "Wir beziehen über 75 Prozent des Stroms im Fernverkehr aus Öko-Energien", sagte Grube. "Der Bund sollte uns als Vorreiter bei der Nutzung von Ökostrom aber eher belohnen als bestrafen."

(mit: dpa)

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