Bürgerforum in Celle

Streitfall Y-Trasse

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Hannover - Die Y-Trasse sorgt weiterhin für Sorge, Wut und Widerstand innerhalb der Bevölkerung: Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hofft jetzt mit einem Bürgerforum in Celle und 74 Vertretern aus Bürgerinitiativen, Landkreisen, Städten und Verbänden für mehr Transparenz zu sorgen.

Am besten wäre, der Begriff Y-Trasse würde gar nicht mehr in der Diskussion auftauchen, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Dezember. Denn das Y sei „ein Symbol für eine verkorkste Infrastrukturplanung“, die bei der Bevölkerung vor allem Sorge, Wut und Widerstand ausgelöst habe. Der SPD-Minister will es besser machen und hat deshalb eine breite Diskussionsrunde ins Leben gerufen: Heute startet in Celle das Dialogforum Schiene Nord, bei dem 74 Vertreter von Bürgerinitiativen, Landkreisen, Städten, Verbänden, dem Wirtschaftsministerium und der Bahn über den Ausbau des Schienenstreckennetzes im Norden beraten wollen.

Die Hoffnungen, die sich mit diesem Forum verbinden, sind groß, doch die Skepsis ist es auch. „Ich bin sicher, dass diese Zeit sehr gut investiert ist, damit der Diskussionsprozess nach Jahren des Stillstands wieder Fahrt aufnimmt“, sagt Lies. Klar sei, dass Schienentrassen aus- oder neu gebaut werden müssten, um die steigende Zahl von Güterzügen aus den Seehäfen bewältigen zu können.

Die Zahl der Konfliktherde ist in den vergangenen Jahren sogar noch gewachsen, denn längst wird nicht mehr nur über die Y-Trasse, also den Neubau einer Bahnstrecke zwischen Bremen, Hamburg und Hannover, diskutiert. Die Bahn prüft derzeit sieben verschiedene Varianten. Um die Konflikte zu koordinieren, hat das Land sogar einen erfahrenen Konfliktmanager engagiert. Jens Stachowitz ist Kommunalberater, der in Nordrhein-Westfalen schon bei mehreren strittigen Bauprojekten zwischen den Seiten vermittelt hat. Um sich möglichst wenig Druck zu machen, gibt es keinen Themenplan. Ziel ist allerdings, den Dialog bis Jahresende abzuschließen.

Die Offenheit im Gespräch dürfe nicht dazu führen, dass das Dialogforum zu einer unverbindlichen Gesprächsrunde werde, mahnen hingegen Vertreter von Bürgerinitiativen. Bahn und Landesregierung haben versprochen, die Ergebnisse ernst zu nehmen und in die Entscheidungen einfließen zu lassen.

Sebastian Salier, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Trassenneubau, sagt, er gehe optimistisch in das Forum, will aber nicht allein auf den Dialog setzen, sondern mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam machen. So wie die beiden Modellzüge in Originalgröße, die seine Mitstreiter bei Wietzendorf (Heidekreis) auf das offene Feld gesetzt haben, um zu zeigen, wie der Neubau der Y-Trassenvariante SGV-Y die Landschaft zerschneiden würde. Seine Hoffnung: Das Dialogforum müsse Neubauvorhaben ausschließen und den Ausbau der Bestandsstrecken mit ausreichendem Lärmschutz empfehlen.

Doch auch das birgt Streitpotenzial, das die Bahn sogar präzise beziffern kann. Während von der Trasse SGV-Y etwa 25 000 Haushalte betroffen wären, würde der Ausbau der Bestandsstrecke durch die Lüneburger Heide rund 55.000 Haushalte beeinträchtigen – eine komplizierte Lage mit wechselnden Betroffenheiten. Auch Wirtschaftsminister Lies hat daher nicht die Hoffnung, dass das Dialogforum den Streit endgültig beenden kann. „Am Ende werden wir sicher nicht alle zufriedenstellen können, das ist uns klar“, sagt Lies. Aber vielleicht könne es helfen, die Akzeptanz und das Verständnis für den Ausbau des Schienennetzes zu stärken.

HAZ-Aktion: Reden Sie mit!

Es wird immer voller auf Straßen und Schienen, gleichzeitig leidet die Substanz. Und nun? Am 11. März treffen sich Experten in Hannover zu einem Kongress zum Ausbau der Verkehrswege, organisiert von der Initiative für zukunftsfähige Infrastruktur, die der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ins Leben gerufen hat. Und Sie können mitreden! Schicken Sie uns Ihre Anregungen. Wo müssen Straßen dringend renoviert werden? Welche Bahnstrecke soll wieder ans Netz gehen? Wir sammeln Ihre Hinweise und gehen ihnen nach.Für Ihren Hinweis reicht eine E-Mail an hannover@haz. de mit dem Stichwort „Baustellen-Atlas“ oder ein Brief an die HAZ-Redaktion, Stichwort „Baustellen-Atlas“, August-Madsack-Straße 1, 30559 Hannover. Sie können uns Ihre Anregungen auch bei Facebook und Twitter mit dem Hashtag #Baustellen-Atlas senden. Einsendeschluss ist der 6. März.

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