Orkantief "Xaver"

Mit dem Sturm kommt der Schnee

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„Xaver“ fegt weiter über den Norden und bringt Schnee mit sich – wie hier am späten Vormittag in Langenhagen.

Hamburg - Orkantief „Xaver“ hat den Norden mit aller Wucht getroffen. In Hamburg erreicht eine schwere Sturmflut am Morgen ihren Höhepunkt, bisher hat das Unwetter nur kleinere Schäden angerichtet. Doch nach dem Schneefall drohen jetzt Glätteunfälle.

Der Orkan „Xaver“ beschert weiten Teilen Deutschlands einen stürmischen Nikolaustag. Eine der schwersten Sturmfluten der vergangenen Jahrzehnte traf die Millionenmetropole Hamburg am Freitagmorgen. Trotz hoher Windgeschwindigkeiten richtete der Sturm aber selbst in den am härtesten betroffenen Regionen im Norden vergleichsweise geringe Schäden an. Vielerorts brachte die Nacht einen Wintereinbruch mit Schnee. In Flug- und Bahnverkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen. In fast allen Bundesländern stürzten Bäume um, es gab tausende Feuerwehreinsätze und Glätte-Unfälle.

In den deutschen Mittelgebirgen fiel Schnee, auch in weiteren Teilen Deutschlands soll es im Laufe des Tages schneien. Auf Torfhaus im Oberharz wurden am Freitag 30 Zentimeter Neuschnee gemessen, in Braunlage knapp 20 Zentimeter. Die Straßen seien aber frei, hieß es bei der Polizei. Nur vorsichtshalber bleibe der Oberharz für den Schwerlastverkehr gesperrt. "Das ist aber ganz normal im Winter", sagte ein Sprecher.

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Der Scheitel der schwersten Sturmflut erreichte Hamburg gegen 6.15 Uhr mit einem Wasserstand von 3,98 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Eine solche Sturmflut gab es laut Innenbehörde in den letzten 10, 20 Jahren nur sehr selten. Bei der verheerenden Flut 1962 hatte der Wasserstand in Hamburg einen ähnlichen Wert. Damals waren die Deiche aber noch deutlich niedriger und weniger stabil. Am Freitagabend wurde eine weitere, niedrigere Sturmflut erwartet, den ganzen Tag über noch Sturmböen mit bis zu 90 Stundenkilometern.Laut Deutschem Wetterdienst wurden in List auf Sylt in der Nacht um die 150 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gemessen, auf dem Brocken im Harz sogar bis zu 155 Stundenkilometer. Auswirkungen der Naturgewalten blieben an der Nordsee trotz aller Befürchtungen geringer als etwa im vergleich mit dem Orkan „Christian“ Ende Oktober.

Orkantief „Xaver“ hatte seit Donnerstag in Nordeuropa das Leben von Millionen Menschen behindert. Mindestens drei Menschen in Großbritannien und Skandinavien starben. Zwei Seeleute in Schweden wurden vermisst.Der Hamburger Hafen war in der Nacht geräumt und gesperrt worden. Der bekannte Fischmarkt am Hafen und einige Straßen entlang der Elbe standen unter Wasser. Ein Altenheim war vom Wasser eingeschlossen. Ein Zug der Hamburger Hochbahn war gegen einen umgestürzten Baum gefahren und entgleist. In Elmshorn bei Hamburg war eine Regionalbahn an einem Übergang gegen einen umgestürzten Baum geprallt.

Am Donnerstag war der Zugverkehr wegen des Orkans „Xaver“ komplett eingestellt worden. Im Süden von Norwegen wurden drei Menschen verletzt, als ein Bus von der Straße geweht wurde. Teile der Innenstadt von Stavanger waren zuvor gesperrt worden, Zehntausende Häuser und Geschäfte an der Küste waren ohne Strom.In Schleswig-Holstein und Hamburg war auch am Freitag schulfrei, ebenso an den staatlichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. In Berlin und Brandenburg war die Schulpflicht aufgehoben. Viele der bundesweit vorsorglich geschlossenen Weihnachtsmärkte sollten am Freitag wieder offen für Besucher sein.Das Bremer Weserstadion blieb verschont. Das vom Unwetter gefährdete Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern München kann am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen werden.

Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland aus nicht mehr zu erreichen. Auch der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal war schon am Donnerstag zum Erliegen gekommen. Der Direktor des schleswig-holsteinischen Landesbetriebs für Küstenschutz sagte dennoch, die Sturmflut sei „glimpflich abgegangen“.

In Berlin fielen wegen des Sturms zahlreiche Ampeln aus, Baustellenabsperrungen stürzten um. Am Potsdamer Platz wurde eine große Werbewand an einem Haus so stark beschädigt, dass sie abgenommen werden musste. In Cuxhaven wurde das Dach eines Hochhauses abgedeckt, in Stralsund das Dach eines Discounters.

In Großbritanniens Küstenregionen verbrachten Hunderte die Nacht zum Freitag in Schulen und anderen Notunterkünften. In England und Wales kam es am Freitagmorgen zu Zugverspätungen im Berufsverkehr. Am Donnerstag waren zwei Menschen in Großbritannien getötet worden. In Dänemark rollten am Freitagmorgen die ersten Züge wieder aus den Bahnhöfen.

dpa/frs

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