Wohnungsnot bei Studenten

Suche Zimmer – biete Gartenarbeit

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Auch in Zeiten des Internets ist das Schwarze Brett als Wohnraumbörse gefragt.

Hannover - Das Wintersemester ist längst angelaufen – doch viele Neustudenten haben sich in den niedersächsischen Uni-Städten noch nicht richtig einrichten können. Auch wenn die akute Wohnungsnot langsam abebbt, bleibt überall ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum und an Wohnheimplätzen.

In Göttingen stehen noch immer 2000 junge Menschen auf der Warteliste für einen Platz in einem Studentenwohnheim. „Und darunter sind kaum Karteileichen“, sagt der Geschäftsführer des Studentenwerks, Prof. Jörg Magull. Vor einem Jahr um diese Zeit habe die Liste rund 1000 Leute umfasst.

Für den Fall, dass Erstsemester überhaupt kein Bett finden, hat der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) der Universität eigene Räume als Notunterkunft zur Verfügung gestellt. „Immer noch übernachten hier zwei Leute, insgesamt waren es so um die 20“, heißt es beim AStA. Viele würden sich auch erst einmal bei Freunden einquartieren. So wie Laurenz. Der Erstsemester teilt sich derzeit eine Ein-Zimmer-Wohnung mit drei Kommilitonen. „Das ist lustig“, sagt der 18-Jährige, doch zum Lernen sei er bislang kaum gekommen. Er hofft nun darauf, dass sich die Wohnungssituation entspannt. Das wird wohl gegen Ende des Semesters im Februar/März so sein.

Mehr Studentenwohnheimplätze nötig

In Göttingen kommt erschwerend hinzu, dass der private Wohnungsmarkt ohnehin eng ist. Immer mehr Single-Haushalte entstehen in der Stadt, nichtstudentische Mieter suchen damit auf dem gleichen Sektor wie die Studierenden. Das Studentenwerk bietet für die mittlerweile 27 000 Studenten 4500 Wohnheimplätze an. Auch wenn die Versorgungsquote damit im Gegensatz zu anderen Uni-Städten hoch ist – es müssten viel mehr Plätze geschaffen werden. „Und dazu sind Bundes- und Landesmittel nötig, die es nicht mehr gibt“, sagt Jörg Magull.

Ein Problem der Uni-Städte ist, dass der Anteil derjenigen, die zum Sommersemester ihr Studium aufnehmen, in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gesunken ist. Alles konzentriert sich auf das Wintersemester. Darüber hinaus bevorzugen Hochschüler kleine innenstadtnahe Wohnungen, große Wohngemeinschaften sind weniger im Trend. Das bestätigt auch die Geschäftsführerin des Studentenwerks in Osnabrück, Birgit Bornemann. Sie fordert vom Bund Förderprogramme für Wohnheimplätze, und von den Kommunen, die dafür nötigen Grundstücke zur Verfügung zu stellen. „Notunterkünfte haben wir nicht“, sagt Bornemann. Allerdings habe man verstärkt bei privaten Vermietern nach Zimmern gefragt. Zwölf Studenten in Osnabrück sind sogar in ein Pflegeheim gezogen. Bis zum Jahresende wohnen sie in einem Trakt, der demnächst saniert wird.

Osnabrücker Studenten ziehen in Pflegeheim

Auch anderorts ist Kreativität gefragt. In Lüneburg bringt eine Gruppe erfahrener Studenten Vermieter und Erstsemester zusammen. Als Gegenleistung für das Dach über dem Kopf helfen die neuen Mieter bei Dingen des täglichen Lebens. Familien mit Kindern können so Babysitterdienste vereinbaren, Senioren Unterstützung bei Haus- und Gartenarbeit einfordern.

„Die Wohnungssituation für Studenten ist in Braunschweig, Wolfsburg und Lüneburg schwierig“, sagt die Sprecherin des Studentenwerks Ost-Niedersachsen, Petra Syring. In Hildesheim dagegen sehe die Lage besser aus – das liege auch an dem allgemein entspannteren Wohnungsmarkt in der Stadt. In Braunschweig leben übergangsweise noch bis Ende November zehn Studenten in einem unsanierten Wohnheim. „Außerdem animieren wir diejenigen, die in Braunschweig studieren, zunächst nach Wolfenbüttel zu ziehen, um dann mit dem kostenlosen Semesterticket von dort zur Uni zu fahren“, sagt Syring.

Bessere Situation in Emden oder Wilhelmshaven

Da ist die Situation im Norden um einiges besser: Wer in Emden oder Wilhelmshaven an die Hochschule möchte, findet schnell eine bezahlbare Bleibe. „In Oldenburg ist das schon schwieriger“, sagt Ted Thurner, Geschäftsführer des dortigen Studentenwerks. Jährlich steigen hier die Studentenzahlen.

Auch in Oldenburg hat das Studentenwerk Notunterkünfte in der Hinterhand, insbesondere für ausländische Studenten. „Die kommen und fragen, ,Wo ist mein Zimmer?’“, sagt Thurner und meint damit die US-Amerikaner, die es von zu Hause gewohnt sind, am Studienort Wohnheimplätze vorzufinden.

Von Heike Manssen

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