Gesundheitsgefahren verheimlicht

Tabakkonzern soll 23 Milliarden an Witwe zahlen

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Foto: Symbolbild

Pensacola - Die Witwe eines Kettenrauchers staunte nicht schlecht, als ein Gericht in Florida das Urteil verkündete: Der Tabakkonzern R. J. Reynolds soll der Frau 23 Milliarden Dollar zahlen, da die Zigarettenfirma die Gesundheitsgefahren ihres Produktes mit Absicht verheimlicht habe. Ihr Mann war an den Folgen des Rauchens gestorben.

Selbst Klägerin Cynthia Robinson glaubte zuerst, sie habe das Urteil nicht richtig verstanden: Ein Gericht in Florida hat den Tabakkonzern R. J. Reynolds zur Zahlung von mehr als 23 Milliarden Dollar (umgerechnet 17 Milliarden Euro) an die Witwe eines Kettenrauchers verurteilt. Die Geschworenen befanden, dass die zweitgrößte Zigarettenfirma der USA die Gesundheitsgefahren ihres Produktes absichtlich verheimlicht habe, berichtete die „New York Times“. Zusätzlich zu den Strafgeldern sprach die Jury der Witwe Schadensersatz in Höhe von 17 Millionen Dollar zu.

Als sie das Urteil hörte, sagte Robinson der Zeitung, habe sie zunächst „Millionen“ verstanden („millions“). Dann habe sie ihr Anwalt darüber informiert, dass es sich um „Milliarden“ handele („billions“). Die Strafe ist eine der höchsten, die jemals in einem Prozess mit einem einzelnen Kläger gegen ein Tabakunternehmen verhängt worden ist. Der Prozess dauerte rund vier Wochen. Das Unternehmen habe nicht deutlich gemacht, dass Nikotin süchtig mache und Zigaretten giftige Stoffe enthielten, befand die Jury am Freitagabend in Pensacola. Der Mann der Klägerin hatte demnach mehr als zwei Jahrzehnte lang geraucht, als er 1996 im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs starb. Nach Angaben des Anwalts von Robinson begann ihr Ehemann im Alter von 13 Jahren mit dem Rauchen und konsumierte über einen Zeitraum von 20 Jahren täglich bis zu drei Päckchen Zigaretten. „Er konnte nicht aufhören. Auch am Tag seines Todes rauchte er noch“, sagte der Anwalt.

Die Verteidigung kündigte umgehend Berufung an. Das Urteil sei völlig exzessiv und sowohl nach staatlichem Recht als auch verfassungsrechtlich unzulässig und gehe weit über die Vernunftmaßstäbe hinaus, zitierte die Zeitung den Vizepräsidenten des Camel-Herstellers R. J. Reynolds, J. Jeffery Raborn. Das Unternehmen sei überzeugt, dass das Urteil keinen Bestand haben werde.

Tatsächlich sind die Aussichten darauf nach bisherigen Erfahrungen gut. Geschworenenjurys in Prozessen gegen Tabakfirmen neigen generell dazu, hohe Strafen zu verhängen, um ein Zeichen zu setzen. Sie selbst gehen dabei – wie auch die Kläger – zumeist davon aus, dass das Urteil später deutlich abgeschwächt wird. So weist die „New York Times“ etwa darauf hin, dass ein Geschworenengericht in Kalifornien 2002 Strafgelder in Höhe von 28 Milliarden Dollar gegen Philip Morris USA verhängte. Ein Berufungsgericht reduzierte die Summe dann im August 2011 auf 28 Millionen Dollar. Die Witwe des Kettenrauchers im jetzt berichteten Fall war zunächst im Rahmen einer Sammelklage gegen den Konzern vorgegangen. Das damalige Urteil – Strafgelder in Höhe von 145 Milliarden Dollar – war dann von einer Berufungsinstanz annulliert worden. Diese entschied, dass die einzelnen Fälle zu unterschiedlich seien, um in einem Sammelprozess behandelt zu werden. Danach waren viele der ursprünglichen Kläger individuell vor Gericht gezogen.

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