Hildesheim

Mit dem Taxi nach Berlin

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Hildesheim - Ist es ein Scherz? Oder hat die Stadt Hildesheim einfach zu gut gefüllte Kassen? Anders lässt sich kaum erklären, warum sich Oberbürgermeister Ingo Meyer für 660 Euro chauffieren lässt.

Der Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer hat sich von einem örtlichen Taxiunternehmen über Goslar zur Tourismusmesse ITB nach Berlin und von dort zurück nach Hildesheim chauffieren lassen. Kosten: 660 Euro. Die Bahnfahrt per ICE hätte 120 Euro gekostet. Meyer verteidigt sein Vorgehen als „einzig sinnvolle Alternative“ angesichts seiner Tagesplanung.

Hildesheim Marketing rührte auf der weltweit größten Tourismusmesse ITB in Berlin Anfang März für die Domstadt die Werbetrommel. Die Marketinggesellschaft warb am Tresen der Kooperation „die 9 Städte“ am Niedersachsenstand für das große Stadt- und Bistumsjubiläum 2015.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte sich der Oberbürgermeister am 5. März von einem Taxiunternehmen zu dem Termin nach Berlin fahren lassen. Das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz, dem auch der Oberbürgermeister verpflichtet ist, sagt unter Paragraf 110 „Allgemeine Haushaltsgrundsätze“: „Die Haushaltswirtschaft ist sparsam und wirtschaftlich zu führen.“ Daran ist jeder Mitarbeiter einer Kommune gebunden.

Eine Alternative wäre die Deutsche Bahn gewesen. Die verkehrt stündlich zwischen Hildesheim und Berlin. Der normale Fahrpreis von 120 Euro für ein Ticket 2. Klasse mit Hin- und Rückfahrt fällt mit einer Bahncard noch günstiger aus. Wer die ITB bequem per Bahn besuchen will, fährt bis Berlin-Spandau. Von dort aus kann man im Minutentakt direkt zur ITB fahren. Schneller und staufreier geht es eigentlich kaum. Das bestätigt die CDU-Bundestagsabgeordnete Ute Bertram. Auch sie informierte sich auf der ITB. Die Abgeordnete hat auf den ihr zustehenden Fahrdienst des Bundestages verzichtet, sich in die S-Bahn nach Spandau gesetzt und ist von dort per Bahn nach Hildesheim gefahren.

Für Oberbürgermeister Ingo Meyer war das offenbar keine Option. Er bestätigt die Fakten. Vier bis fünf Stunden habe er sich auf der ITB aufgehalten. Warum er nicht die Bahn genutzt habe? „Ganz einfach“, sagt Meyer. Sein Büro habe die Reise so geplant, um trotz eines anderen Termins seine Teilnahme an einem Empfang auf der ITB zu ermöglichen. Bis zum „späten Mittag“ habe er sich auf einer Konferenz nahe Goslar aufgehalten und sich von dort aus nach Berlin fahren lassen. Die Fahrt mit seinem Privatwagen sei für ihn nicht infrage gekommen.

Manfred Hüttemann

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