Eine Frage des Gewissens

Taxifahrerin entdeckt 13.760 Euro

+
Ehrliche Finderin: Christiane Bodenhagen wollte das Geld nicht behalten.

Göttingen - Knapp 14 000 Euro in zumeist großen Scheinen – was tun, wenn man so viel Geld findet? Einstecken, dumm stellen, leugnen und beten, dass man damit durchkommt? Oder es doch dem rechtmäßigen Besitzer oder der Polizei übergeben? Eine Frage des Gewissens, der sich die Göttinger Taxifahrerin Christiane Bodenhagen während einer ihrer Schichten stellen musste.

Als sie am späten Morgen die Rücksitzbank ihres Taxis für die bevorstehende Schülertour mit Kindersitzen bestückt, entdeckt sie eine herrenlose Brieftasche im Fußraum, prall gefüllt mit Fünfhundert-Euro-Scheinen. Nach dem ersten Schock informiert sie die Zentrale. „Zur eigenen Absicherung“, sagt die 49-Jährige. „Ich soll mir mal folgende Summe notieren:“, erinnert sich Zentralistin Janina Behmke, „13 760 – als ich hörte, was es mit der Zahl auf sich hat, ist mir die Kinnlade heruntergeklappt.“

Auch eine Kreditkarte ist in der Börse. Wegen des iranischen Namens kann Bodenhagen sie einem Fahrgast zuordnen, den sie von einem Göttinger Hotel abgeholt hat. Doch der Gast hat bereits ausgecheckt und ist unter der hinterlegten Telefonnummer nicht zu erreichen.

„Also bin ich auf gut Glück ins Industriegebiet gefahren, wo ich den Kunden drei Stunden zuvor abgesetzt hatte“, erklärt die Fahrerin. Bei einer Firma klingelt sie und wird eingelassen. Im Konferenzraum beugt sich Amir Hossein Baradaran, Geschäftsmann aus Teheran, gerade über Baupläne. Erst als die Taxifahrerin ihm das Portemonnaie überreicht, bemerkt er dem Verlust. „Am Anfang war ich schockiert. Doch dann war ich sehr glücklich, dass es solche netten Menschen gibt“, sagt Baradaran bei einem späteren Treffen.

Auf die Frage, warum er so viel Bargeld mit sich führe, lächelt der Iraner. Seine Frau habe ihn dieses Mal nach Deutschland begleitet. Und sie wolle natürlich einkaufen. „Handtaschen“, ergänzt Michael P. Krocker, Geschäftspartner des Iraners, mit einem Augenzwinkern. „Sie wissen ja, wie das ist.“ Auch er freue sich über die Ehrlichkeit der Taxifahrerin.

Ob sie auch einmal daran gedacht habe, das Geld einzustecken? „Ganz ehrlich“, sagt Bodenhagen, „in den ersten fünf Sekunden ging mir vielleicht so etwas durch den Kopf. Ich spare schon ewig auf ein neues Badezimmer.“ Aber den Gedanken habe sie sofort wieder beiseite gewischt: „Ich habe mir in meinem Leben nichts zu Schulden kommen lassen. Das soll bitte schön auch so bleiben.“ Und schließlich sei ihre Ehrlichkeit auch mit einem kleinen Finderlohn honoriert worden.

Von Tomasz Stieme

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare