Probestrecke im Emsland

Testfahrer müssen ihr Tempo drosseln

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Foto: Die kurvenreiche Teststrecke im Emsland gibt es seit 1998. Hier werden unter anderem Prototypen eines neuen Modells ausprobiert.

Papenburg - Nach drei tödlichen Unfällen in nur zwei Jahren wird die Autoteststrecke im emsländischen Papenburg entschärft. Es dürfen weniger Fahrzeuge zeitgleich unerwegs sein. Es gelten ein Tempolimit und ein Überholverbot.

Nach dem tödlichen Unfall eines 48-jährigen Fahrers auf der Autoteststrecke in Papenburg im Emsland bleibt ein Teil der Anlage bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das teilte der Betreiber Automative Testing Papenburg (ATP) mit - und reagiert damit auf das dritte tödliche Unglück in den vergangenen zwei Jahren. Die Staatsanwaltschaft in Osnabrück hat sich bereits eingeschaltet und ermittelt gegen den schwerverletzten Unfallverursacher, der mit hoher Geschwindigkeit auf das stehende Auto eines Niederländers gefahren ist. Auch das Sicherheitskonzept der Strecke wird nun auf den Prüfstand gestellt.

Der Obduktionsbericht hatte ergeben, dass der 48 Jahre alte Niederländer nicht erst durch Verbrennen im Fahrzeugwrack starb, sondern bereits bei der Kollision der beiden Autos. Ein 31-jähriger Fahrer war mit seinem Wagen mit Tempo 170 am 5. Juli ungebremst in das stehende Fahrzeug des Niederländers gerast. „Es gilt zu klären, ob menschliches Versagen zum Unfall führte“, erklärt Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Und es müsse auch herausgefunden werden, ob es Sicherheitsmängel auf der Strecke gebe. Denn normalerweise warne eine große rote Signalleuchte im Heck eines Testautos andere Fahrzeuge auf der Strecke vor einem Bremsen oder Stillstand. Ob diese Leuchte im Auto des Unfallopfers vielleicht defekt gewesen sei oder gar gefehlt habe, müssen die Ermittler ebenfalls untersuchen.

Was auf der kurvenreichen Strecke in Papenburg – auf der seit 1998 jährlich rund 12.000 Fahrzeuge insgesamt mehr als zehn Millionen Kilometer fahren - geschieht, bleibt für die Öffentlichkeit verborgen. Denn wer testen will, muss eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen, die Bild- und Videoaufzeichnungen streng verbietet. Der Betreiber begründet dies mit der „hohen Wettbewerbsrelevanz“ in der Autoindustrie. Für Polizei und Staatsanwaltschaft bestünden jedoch keine Einschränkungen, versichert Julitta Timmer, Sprecherin des Unternehmens. „Wir werden die Ermittlungen uneingeschränkt unterstützen und hoffen schnellstmöglich, weitere Erkenntnisse zum Hergang des Unfalls zu gewinnen.“

ATP gehört der MBtech Group aus Sindelfingen, die wiederum mehrheitlich der französischen Akka Technologies gehört. Daimler hatte im vergangenen Jahr 65 Prozent der Anteile seines Tochterunternehmens an die Franzosen verkauft. Der Stuttgarter Autobauer lässt über einen Sprecher erklären, dass man alles tun werde, um die Betriebssicherheit auf der Strecke im Emsland zu erhöhen, sollten Mängel gefunden werden.

Seit einigen Tagen wird auf einzelnen Abschnitten des Geländes wieder getestet - aber unter Auflagen. Die Anzahl der Testfahrzeuge auf der Strecke und auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit seien reduziert worden, teilt ATP-Sprecherin Timmer mit. Auch ein Überholverbot gibt es nun. Statt 30 dürfen jetzt nur noch 25 Fahrzeuge gleichzeitig bestimmte Abschnitte benutzen. Die Unfallstrecke bleibt vorerst aber gesperrt.

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