Harz-Ort

Thale will privaten Wachdienst statt Polizei

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Foto: In Thale gibt es keine Polizeistation mehr – deswegen will der Ort im Harz einen privaten Wachdienst engagieren.

Magdeburg - Hexentanzplatz, Thermalbad und lange Wanderwege – Thale in Sachsen-Anhalt ist das Gegenteil einer Verbrechensmetropole. Dennoch will die Stadt mit eigener Initiative auf die Schließung der Polizeistation reagieren.

Bizarre Lage im Harz: Das hoch verschuldete Land Sachsen-Anhalt schließt die Polizeistation im Städtchen Thale – die Stadt will nun einen privaten Wachdienst auf Streife schicken. Macht das Sinn? Kritiker von Einsparungen bei der Landespolizei befürworten den Plan. Die Landesregierung hält ihn dagegen für einen Irrweg: Die Polizei könne sehr wohl mit den vorhandenen Kräften für die Sicherheit sorgen.

Nach einem monatelangen Streit auch innerhalb der großen Koalition in Magdeburg hatte die Landesregierung im Mai die Polizeireform durchgedrückt. Einen Kahlschlag sollte es erklärtermaßen aber nicht geben. Die Polizistenzahl nehme auch wegen der sinkenden Bevölkerungszahl langsam ab - von 6000 im Jahr 2016 auf 5000 im Jahr 2025. Zugleich sollten bis zu 70 kleinere Polizeistationen wegfallen, die teils bereits in der Vergangenheit kaum besetzt waren. Als Ersatz sollten Streifendienste und Regionalbereichsbeamte für Polizeipräsenz sorgen.

Doch viele betroffene Ortschaften sind davon nicht überzeugt. Auch Thale mit seinen knapp 20.000 Einwohnern hadert mit der Entscheidung. Die Verbrechen würden im Land nur noch verwaltet und nicht mehr bekämpft, sagte Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Dienstag). Die Kommune engagierte demnach eine private Wachfirma, die täglich von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr mit zwei Mitarbeitern und einem eigens angeschafften weiß-blau lackiertem Kleinwagen auf Streife gehen soll. Kosten: eine fünfstellige Summe pro Jahr.

Auch andernorts wird immer wieder über Sicherheitsdienste außerhalb der Polizei diskutiert. Bundesweit entstanden in einigen Orten schon Bürgerwehren - teils mit zweifelhaftem Ruf. Üblich sind private Wachdienste heute schon zum Beispiel an Flughäfen. Auch in einigen Gefängnissen arbeiten private Firmen. Teils gibt es kommunale Tempokontrollen, die von Privatfirmen übernommen werden.

Viele Kommunen an der östlichen Grenze Deutschlands klagen seit langem über eine hohe Kriminalitätsrate. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat dagegen kein Verständnis für den Vorstoß aus Thale. „Es macht aus kriminalistischer Sicht keinen Sinn, es ist falsch“, sagt er. Die Kriminalität in Thale liege unter dem Landesdurchschnitt und sei binnen eines Jahres um 16 Prozent gesunken.

Strafverfolgung sei zudem Sache der Polizei, ein privater Sicherheitsdienst könne allenfalls einen Täter auf frischer Tat festhalten und der Polizei übergeben. Das sei aber nicht nötig. Thale könne stattdessen sein Ordnungsamt stärken - etwa für nächtliche Ruhestörungen. Das sei Sache der Kommune - und die Mitarbeiter hätten dann auch Befugnisse.

dpa

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