Caterer entschuldigt sich

Tiefkühl-Erdbeeren führten zu Brechdurchfall

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Tiefgefrorenen Erdbeeren aus China sollen der Auslöser für den rätselhaften Brechdurchfall gewesen sein.

Berlin - Nach dem rätselhaften Brechdurchfall von mehr als 11.000 Menschen in Ostdeutschland gibt es nach zehn Tagen endlich eine heiße Spur. Sie führt zu tiefgefrorenen Erdbeeren - vermutlich aus China. Der Caterer kündigte unterdessen Entschädigungen for die Opfer an.

Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen gibt es eine heiße Spur, aber noch keinen Erreger-Nachweis: Tiefgefrorene Erdbeeren haben sehr wahrscheinlich die Krankheitswelle in Ostdeutschland mit mehr als 11.000 Patienten ausgelöst. Nun soll am Wochenende mit Hochdruck in den Laboren nach nachweisbaren Spuren in den verdächtigen Erdbeeren gesucht werden, wie Holger Eichele, Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung, sagte. Die Firma Sodexo, über deren Großküchen die Erdbeeren an die Schulkantinen gelangten, entschuldigte sich am Freitagabend bei den betroffenen Kindern und Familien und kündigte Entschädigungen an.

„Wir sind über diesen Sachverhalt bestürzt“, heißt es in einer von Sodexo verbreiteten Mitteilung zu dem „höchst bedauerlichen Einzelfall“. Trotz vieler Kontrollen sei der Erreger offensichtlich nicht entdeckt worden. „Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien und hoffen, dass es allen Kindern inzwischen wieder gut geht.“ Zudem sollten die Betroffenen „für die entstandenen Unannehmlichkeiten“ entschädigt werden. Details wurden nicht genannt.

Damit sich niemand neu infiziert, sind die Lieferchargen bereits gesperrt worden oder werden gerade zurückgerufen. Bisher gibt es nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) keinen Hinweis darauf, dass die Tiefkühl-Früchte auch in den Einzelhandel gelangten.

Die Vermutung, dass Erdbeeren der Übeltäter sind, basieren bisher allein auf Befragungen von Patienten und der Rückverfolgung von Essenlieferungen von Großküchen. Die schwierige Spurensuche erinnert an die EHEC-Krise im Sommer 2011, die allerdings weitaus schwerere Folgen hatte: Mehr als 50 Menschen starben. Dieser Erreger wurde nie im Labor nachgewiesen, sondern durch die Nachverfolgung von Lieferungen eingekreist.

Das Robert Koch-Institut wertet den Brechdurchfall, der vor allem Kita-Kinder und Schüler traf, bereits jetzt als die bisher größte lebensmittelbedingte Krankheitswelle in Deutschland. „Wir sind bei den Ermittlungen nun aber einen großen Schritt vorangekommen“, sagte Eichele.

Aus Kreisen der Lebensmittelfahnder hieß es, die verdächtigen Erdbeeren stammten vermutlich aus China. Ein Großhändler habe sie tiefgekühlt an Großküchen der Firma Sodexo mit Sitz im hessischen Rüsselsheim und zwei weitere Anbieter von Schul- und Kantinenessen geliefert. Das Brandenburger Umweltministerium spricht von insgesamt 44 Tonnen Tiefkühl-Erdbeeren, die über den Hamburger Hafen aus China in Deutschland verteilt wurden. Sie seien in 10-Kilo-Gebinden von einem Direktimporteur bezogen worden.

Das BVL vermutet, dass aber nur ein eine Charge dieser Tiefkühl-Erdbeeren für den Ausbruch verantwortlich ist. Wenn sich das bewahrheitet, machte nicht jede Frucht aus der Gesamtfracht automatisch auch krank. In welche Staaten die verdächtigen Erdbeeren vielleicht noch geliefert wurden, soll auf EU-Ebene geklärt werden - um weitere Ausbrüche möglichst zu verhindern.

Zu den Infektionen ist es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die verunreinigte Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzten. Wenn gefrorene Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt würden, können nicht alle Keime sicher abgetötet werden.

Noroviren gelten zum Beispiel als besonders kälteresistent und hitzebeständig und waren von Anfang an im Visier der Mikrobiologen. Ob sie wirklich die Übeltäter waren, ist ohne Nachweis aber weiter offen. Auch bakterielle Toxine werden im Moment weiter nicht ausgeschlossen. Die unterschiedliche Art des Auftauens könnte neben unterschiedlichen Lieferchargen auch erklären, warum es in einigen Einrichtungen zum Brechdurchfall kam, in anderen aber nicht.

In Ostdeutschland sind nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bisher rund 11 200 Menschen an Brechdurchfall erkrankt. Bis auf Sachsen ist die Welle nach einem Höhepunkt zwischen dem 25. und 28. September aber wieder abgeebbt. Bei den meisten Patienten in Ostdeutschland verlief die Infektion unkompliziert. 32 Erkrankte kamen allerdings in ein Krankenhaus, die meisten in Brandenburg (19). Todesfälle sind bisher nicht bekannt.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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