Raubkatzenasyl in Bayern

Dem Tiger ganz nah

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Foto: Zärtlich schleckt „Rhani“ Olaf Neuendorf die Finger ab.

Ansbach - Im Zoo in Kopenhagen werden Löwen getötet, weil der Platz ausgeht. Im Raubkatzenasyl in Bayern hingegen finden Tiere mit oft schlimmer Vergangenheit ein Zuhause. Sie stammen von Zirkussen, illegalen Händlern oder Privatleuten.

Zärtlich schleckt „Rhani“ Olaf Neuendorf die Finger ab. Doch die 20-Jährige ist nicht gerade eine Schmusekatze, sondern ein 120 Kilo schwerer Tiger. Neuendorf kennt das Tier, seit es wenige Wochen alt war, er hat es mit der Flasche aufgezogen. Mit einem leise pfeifenden „frrrr“begrüßt „Rhani“ ihn. Trotzdem geht der 53-Jährige nicht in ihr Gehege, sondern lässt sich durch die Gitter liebkosen. Vorsicht sei im Umgang mit Raubkatzen das Wichtigste. Auch wenn sie so friedlich aussehen wie diese Tiger-Oma - eine Raubkatze ist und bleibt unberechenbar.

So nah wie in der Raubkatzen-Auffangstation bei Ansbach in Bayern kommt man einem Tiger wohl in keinem Zoo. Das Tierasyl ist nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes das Einzige seiner Art in Deutschland. Hier landen Tiger und Pumas von illegalen Händlern und aus Zirkussen.

Auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Gelände mit Tigerhaus und Gehege am Wald leben zur Zeit 22 Tiere - darunter sechs Sibirische Tiger, ein Puma, ein Luchs, zwei Füchse und zwei Affen. Zoos würden zum Beispiel die Tiger nicht aufnehmen, weil sie nicht reinrassig und zur Zucht ungeeignet seien, sagt der 53-jährige Neuendorf.

Damit die Tiere in Ansbach keinen Nachwuchs zeugen und so für Platzprobleme sorgen wie im Kopenhagener Zoo, sind alle Tiger-Männchen kastriert. Der dänische Zoo hatte vor einigen Tagen vier Löwen getötet, um Platz für ein neues Zuchttier zu schaffen. Bei Tierschützern hatte dies für Entsetzen gesorgt. In Ansbach würde es so etwas nicht geben. Ziel ist, den Tieren ein Gnadenbrot zu geben.

„Rhani“ ist am längsten im Exotenasyl, Neuling „Kalaharia“, ein Karakal-Weibchen, erst seit gut einer Woche hier. Die Katze wurde in einem privaten Garten beschlagnahmt. Die quirlige Polarfüchsin „Finja“ stammt aus einem illegalen Welpentransport. Einmal war sogar ein Gepard hier, den sich ein Münchner als Haustier zum Angeben hielt.

Seit Neuendorf und der Verein „Raubtier- und Exotenasyl“ die Anlage im Jahr 2009 übernahmen, steht die Auffangstation finanziell auf sicheren Beinen. Immer wieder werden die Tierschützer um Hilfe gebeten, wenn Polizei oder Zoll einen illegalen Transport hochgehen lassen, ein Zirkus aufgelöst wird oder jemand ein geschütztes Tier im Garten hält. „Sie können auch jederzeit im Internet einen Tiger oder einen Puma kaufen. Das kostet 3500 bis 7000 Euro, und kein Händler muss prüfen, ob Sie dazu berechtigt sind“, klagt Neuendorf. Sogar ein Eisbär wurde ihnen schon angeboten. Doch dafür ist die Anlage nicht ausgelegt.

In ganz Europa gebe es nur sehr wenige solcher Auffangstationen, sagt Tierschutzbundsprecher Marius Tünte. „Der Bedarf für Plätze für Großkatzen wie Tiger und Löwen ist enorm, da es kaum geeignete Auffangstationen gibt und Zoos in der Regel ausgediente Zirkustiger oder -löwen nicht aufnehmen.“ Daher habe sogar einmal das Tierheim Rüsselsheim in Hessen eine Zeit lang zwei Tiger beherbergen müssen. Das Problem gebe es auch bei Elefanten oder Bären.

Die Haltung der Tiere ist kostspielig: Etwa 6000 Euro Ausgaben hat der Verein „Raubtier- und Exotenasyl“ monatlich. Allein 1000 Euro davon geht für Futter drauf. Ein Tiger frisst bis zu acht Kilo Fleisch am Tag. Finanziert wird die Station durch Spenden, Beiträge der 200 Vereinsmitglieder, Tierpatenschaften und einmal im Monat einen Tag der offenen Tür.

dpa

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