Neue Erkenntnisse zu Germanwings-Absturz

Todespilot Lubitz führte ein Glückstagebuch

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Foto: Gedenkstätte für die Absturzopfer in Haltern. Damit erinnert die Stadt an die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Gymnasiums, die bei dem Absturz im März 2015 ums Leben kamen.

Montabaur/Düsseldorf - Knapp ein halbes Jahr nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen gibt die Staatsanwaltschaft erstmals Einblicke in die Ermittlungsakten. Demnach befand sich Todespilot Andreas Lubitz bereits seit Anfang des Jahres in Psychotherapie und musste regelmäßig seine Gemütslage notieren.

Dass Lubitz schon länger unter Depressionen litt, war schnell nach dem Absturz der Germanwings-Maschine im März dieses Jahres klar. Doch wie ernst die Lage tatsächlich gewesen ist, wird erst jetzt bekannt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll Lubitz zum Absturzzeitpunkt bereits länger ein sogenanntes Glückstagebuch geführt haben.

In diesem musste er seinen Gemütszustand notieren, unter anderem auch mit Smileys – das war Bestandteil einer Psychotherapie, die der Germanwings-Pilot im Januar dieses Jahres begonnen hatte. "Der Spiegel" beruft sich auf Vermerke der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. "Es hat aber kein Arzt die Diagnose 'Depression' bestätigt oder Suizidalität bescheinigt", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage der DeutschenPresse-Agentur.

Antidepressiva in der Wohnung

"Der Spiegel" berichtet weiter, dass in der Wohnung des 27-Jährigen vier verschiedene Medikamente zur Behandlung von Depressionen gefunden worden sind. Zuletzt sei dem Piloten das Antidepressivum Mirtazapin verschrieben worden. Die Staatsanwaltschaft wollte das auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, ergänzte aber: "Antidepressiva werden nicht nur zur Behandlung von Depressionen verabreicht." Welche Diagnose dem Piloten bescheinigt wurde, wollen die Ermittler aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nach wie vor nicht sagen.

Der 27-Jährige war nach bisherigem Stand 2008 wegeneiner schweren Depression behandelt, später aber als geheilt und flugtauglich eingestuft worden. In der Zeit vor dem Absturz soll er über Sehstörungen geklagt und eine Erblindung befürchtet haben. Dafür fanden die Ärzte aber keine körperlichen Anhaltspunkte. Der behandelnde Psychiater habe Lubitz laut den Vermerken, auf die sich der "Spiegel" beruft, ein Mittel gegen Schlafstörungen verschrieben und ihn gebeten, dies mit der Flugmedizin-Abteilung seines Arbeitgebers abzuklären.

Lubitz hat den bisherigen Ermittlungen zufolge den Airbus der Lufthansa-Tochter vor einem knappen halben Jahr, am 24. März, absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.Die meisten Opfer stammten aus Deutschland.

chs/cb/dpa

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