Sprengstoff-Werk

Tödliche Explosion erschüttert Bulgarien

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Sofia - Es sind Zustände wie in der Dritten Welt: Arbeiter mit Hungerlöhnen kommen bei einer Fabrik-Explosion ums Leben. Nun trauert ganz Bulgarien. Und diskutiert die Schuldfrage.

Eine Explosion hat 15 Menschen in einer bulgarischen Sprengstoff-Fabrik in den Tod gerissen und eine Debatte über die Arbeitsbedingungen im ärmsten EU-Land ausgelöst. 13 Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 26 und 59 Jahren kamen in dem Werk nahe dem nordwestbulgarischen Dorf Gorni Lom ums Leben, als der Sprengstoff am Mittwoch detonierte. Auch drei Menschen außerhalb des Werks wurden verletzt. Die privat geführte Fabrik stellt Sprengstoff für zivile Zwecke her und verschrottet Munition. Zwei Tage nach der Tragödie wurde noch über deren Ursachen spekuliert. Eine Untersuchung lief an.

Die Tragödie in dem kleinen Dorf Gorni Lom ist enorm. Bei der Explosion haben unter anderen zwei Brüder, einer von ihnen erst fünf Jahre alt, ihre Eltern verloren. Das Rote Kreuz verstärkte sein Psychologen-Team am Unglücksort. Aus Mitleid mit den Angehörigen der Toten wurde am Freitag ein nationaler Trauertag ausgerufen. Die politischen Parteien sagten zum Abschluss des Wahlkampfs vor der Parlamentswahl am Sonntag ihre letzten Veranstaltungen ab. Im staatlichen Rundfunk ertönt ernste Musik.

Die zerstörte Sprengstoff-Fabrik war praktisch der einzige Arbeitgeber für die Menschen in der Region, die als EU-weit ärmste Gegend überhaupt gilt. Doch das Geld, das sie dort verdienten, reichte kaum zum Überleben. Ein Arbeitnehmer soll nach Medienberichten für den hochgefährlichen Job nur 250 Lewa (rund 125 Euro) im Monat erhalten haben. Dieser Hungerlohn liegt sogar weit unter dem bulgarischen Mindestlohn von 340 Lewa.

Auch die Arbeitsabläufe in der Fabrik waren fragwürdig. Die Aufsichtsbehörden hatten dort bereits zahlreiche Mängel festgestellt. In den vergangenen Jahren soll es in dem Werk wiederholt kleinere Explosionen gegeben haben, allerdings ohne Todesopfer. Doch wegen der hohen Arbeitslosigkeit in der Region blieb die Fabrik in Betrieb.

Die Ausrüstung sei veraltet, es fehlte ein Notausgang, sagte Arbeitsminister Jordan Hristoskow. Das Arbeitskontrollamtordnete am Donnerstag die Schließung der Fabrik an, die nach die Explosion ohnehin funktionsunfähig geworden ist. „Alles ist zerstört“, sagte Innenminister Jordan Bakalow bei einem Besuch des Unglücksortes.

Als Ursache für die Explosion wurde menschliches Versagen vermutet. Medien spekulierten auch, dass in dem Unglückswerk gerade eine neue Technologie erprobt worden sei. Deswegen seien zwei Leiter und der Manager - der Sohn des Eigentümers - in der Fabrik gewesen, als es zur Explosion kam.

Ähnliche Unfälle geschehen in dem ärmsten EU-Land immer wieder. Bei einer Explosion in einem Munitionslager bei Sliven in Ostbulgarien waren im Jahr 2012 drei Menschen ums Leben gekommen. Eine Serie von Explosionen in einem Waffendepot östlich der Hauptstadt Sofia hatte vor mehrerenJahren die Einwohner der Balkan-Metropole in Angst und Schreckenversetzt. Tote gab es damals allerdings nicht.

dpa

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