Jahresbilanz in Niedersachsen

72 Tonnen Weltkriegsmunition beseitigt

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Foto: Der Zünder einer in Langenhagen entschärften Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg - Überbleibsel einer Aktion von 90 meldepflichtigen Entschärfungen im vergangenen Jahr.

Hannover - In Deutschland schlummern noch unzählige Weltkriegs-Blindgänger unter der Erde. 2013 wurden allein in Niedersachsen 72 Tonnen davon entdeckt und beseitigt. Mit zunehmender Verrottung steigen die Risiken.

Im vergangenen Jahr hat der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst 72 Tonnen Blindgänger aus der Erde geholt. 39 Experten kümmern sich um die Munition aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. „Das geht los bei Pistolenpatronen und geht bis zur Seemunition“, sagte Dezernatsleiter Thomas Bleicher. „Wir haben sieben Einsatzteams, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen.“ 2013 hatte der Dienst 1061 Einsätze, darunter rund 90 meldepflichtige Entschärfungen und Sprengungen.

Die spektakulärsten Einsätze hielten die Menschen in Hannover in Atem. Für die Entschärfung einer amerikanischen Zehn-Zentner-Bombe beim Historischen Museum mussten Ende August 9000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen - auch das Rotlichtviertel wurde evakuiert. Anfang Januar wurde eine britische Fliegerbombe mitten in einem Wohngebiet gesprengt. 25.000 Menschen waren davon betroffen.

Wie mit Blindgängern verfahren wird, entscheidet der jeweilige Sprengmeister. Aufgrund seiner „Gefährdungsbeurteilung“ wird der Fund entweder abtransportiert, vor Ort entschärft oder gesprengt. Die Munitionsmenge schwankt von Jahr zu Jahr. 2011 wurden 88 Tonnen entdeckt und beseitigt, 2012 waren es 51 und im Vorjahr 72. Im vergangenen Jahr kamen beim Kabeltrassenbau zum Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum viele Blindgänger zum Vorschein. „Momentan räumen wir nur die Kampfmittel aus dem Meer, die bei Bauarbeiten gefunden werden“, erläuterte Bleicher.

Unfälle gab es nach Bleichers Angaben in Niedersachsen 2013 nicht. Aber die Gefahr der Selbstdetonation nehme zu. Sorgen bereiten den Experten vor allem Fliegerbomben mit chemischem Langzeitzünder. Der Alterungsprozess verlaufe bei ihnen schneller als in einem rein mechanischen Zündsystem. Gut zehn Prozent der Blindgänger haben ein chemisches Zündsystem. „Wir sind bemüht, anhand von Luftbildern Blindgänger systematisch zu suchen. Um der Selbstdetonation zuvorzukommen“, sagte Bleicher. Die Blindgänger sind im Meer einem stärkerem Korrosionsprozess ausgesetzt als im Erdreich. Welche Umweltbelastungen sich durch die Verrottung für die Unterwasserwelt ergeben, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Ein Ende der explosiven Funde ist nicht abzusehen. „Uns fehlen definitiv genaue Zahlen, was abgeworfen wurde und was nach dem Krieg weggeräumt wurde“, sagt Bleicher. Es fehle auch eine genaue Dokumentation der ersten Jahre in der niedersächsischen Kampfmittelbeseitigung.

dpa

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