Leichnam in Elbe gefunden

Toter aus der Elbe könnte vermisster Vater sein

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Foto: Im etwa 20 Kilometer entfernten Lauenburg ist eine männliche Leiche in der Elbe gefunden worden. Die Polizei prüft einen Zusammenhang.

Drage/Lauenburg - Nach dem Fund einer Wasserleiche in der Elbe hofft die Polizei in Niedersachsen auf Erkenntnisse zum Schicksal einer seit einer Woche verschwundenen dreiköpfigen Familie aus Drage. Derzeit sprächen „einige Indizien“ dafür, dass es sich um den 41-jährigen Familienvater handele, erklärten die Ermittler am Freitag in Buchholz.

In einem kleinen Ort an der Elbe verschwindet die dreiköpfige Familie Schulze spurlos. Zuletzt wird Vater Marco von Zeugen gesehen. Am Freitag wird nur wenige Kilometer stromaufwärts ein Toter aus dem Fluss gezogen - ist es der 41-Jährige aus Drage?

Derzeit sprechen einige Indizien dafür, dass es sich bei dem Verstorbenen um den 41-Jährigen aus Drage handelt. Eine eindeutige Identifizierung ist erst im Rahmen einer Obduktion möglich. Sollte es sich bei dem Toten tatsächlich um den Vater handeln, bekämen die Ermittlungen in dem Fall eine „konkrete Richtung“, teilten die Beamten weiter mit. „Ein erweiterter Suizid wird damit wahrscheinlicher.“ Als erweiterten Suizid bezeichnet die Polizei Taten, bei denen ein Mensch ihm nahestehende Personen tötet, bevor er sich selbst umbringt. Demnach gehen die Beamten anscheinend eher nicht von einem Gewaltverbrechen durch Dritte aus.

Im Bereich Artlenburg ist am Freitag ein grünes Herrenrad sichergestellt. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass es sich nicht um das gesuchte Rad handelt.

Von der Ehefrau Sylvia und der zwölfjährigen Tochter Miriam fehle weiterhin jede Spur. Die Polizei habe eine eigene Sonderkommission mit 25 Beamten eingerichtet, so Krüger. Weitere Details nannte er zunächst nicht.

Leiche war mit Betonklotz beschwert

Drage ist ein 4100-Einwohner-Ort an der Elbe südöstlich von Hamburg, Lauenburg liegt etwa 20 Kilometer stromaufwärts auf der schleswig-holsteinischen Seite. Nach einem "SHZ"-Online-Bericht war der Tote am Freitag in Lauenburg aus der Elbe geborgen worden. Anwohner hätten ihn in der Morgendämmerung in Ufernähe treiben sehen und die Polizei verständigt, hieß es.

Die Leiche sei mit einem etwa 25 Kilogramm schweren Betonklotz beschwert gewesen, wie er für mobile Baustellenzäune verwendet wird, berichtete das Online-Portal unter Berufung auf die Feuerwehr. Nach Einschätzung des Notarztes müsse der Tote bereits mehrere Tage im Wasser gelegen haben.

Der Leichnam wurde laut "SHZ" nur etwa 400 Meter von der Elbbrücke in Lauenburg entfernt geborgen, einer der wenige Brücken über den Fluss in der Region. Die Polizei in Lauenburg bestätigte am Mittag den Fund, konnte aber zur Identität des Toten zunächst auch keine Angaben machen.

Familienvater wurde vor einer Woche zuletzt gesehen

Der 41-jährige Marco Schulze war am Donnerstag vergangener Woche das letzte Mal im Auto der Familie bei Drage gesehen worden. Die Spuren seiner zwei Jahre älteren Ehefrau und der zwölfjährigen Tochter verlieren sich bereits am Mittwoch. Schon am Freitag startete die Polizei eine umfangreiche Suchaktion bei Drage. Seitdem waren auch Suchhunde und ein Hubschrauber im Einsatz, Taucher suchten im Fluss.

Man könne weder einen Unfall noch eine Gewalttat ausschließen, hatte Krüger am Donnerstag betont. Ein spontaner Kurzurlaub sei äußerst unwahrscheinlich, hieß es wiederholt. Am Mittwoch vergangener Woche haben in Niedersachsen die Sommerferien begonnen. Seit die Suche in der unmittelbaren Umgebung von Drage eingestellt wurde, konzentrieren sich die Ermittlungen auf Zeugen wie Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde und Verwandte. "Von der Familie haben uns die Zeugen ein eher unauffälliges Bild beschrieben", sagte Krüger am Freitag. Tags zuvor hatte die Polizei unter der Nummer 04181 285285 eine eigene Hotline eingerichtet, dort können rund um die Uhr Hinweise zu den Verschwundenen gegeben werden.

dpa

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