Ostertimke

Totes Baby nach 25 Jahren identifiziert

+
Foto: Ein Kreuz zum Gedenken an die zwei toten Babys, deren Leichen auf dem Dachboden der 44-jährigen Mutter gefunden wurden.

Ostertimke/Rotenburg - Weil sie ihre Babys auf einem Dachboden versteckt und sich selbst überlassen hat, wurde eine Frau aus Ostertimke im Januar zu vier Jahren Haft verurteilt. Nun steht fest: Die Frau ist auch die Mutter eines Babys, das 1988 tot auf einem Rastplatz gefunden wurde.

Neun Monate nach der Verurteilung einer 44 Jahre alten Mutter wegen des Todes von zwei ihrer Babys im Kreis Rotenburg hat die Polizei einen dritten Fall geklärt. Ein 1988 tot in einem Mülleimer auf einem Rastplatz gefundener Säugling sei mit Hilfe einer DNA-Analyse als Kind der Frau identifiziert worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Frau aus Ostertimke bestreitet, auch für den Tod dieses Kindes verantwortlich zu sein. Woran das Baby gestorben war, konnte nicht geklärt werden.

Die 44-Jährige war im Januar vom Landgericht Stade zu vier Jahren Haft verurteilt worden. In einem Fall gingen die Richter von Totschlag und im anderen Fall von versuchtem Totschlag aus. Das Gericht bescheinigte der Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit. Sie sei zur Zeit der Taten alkoholabhängig gewesen und habe an einer Persönlichkeitsstörung gelitten. Ihr Ex-Mann hatte die beiden stark verwesten Baby-Leichen imSommer 2012 beim Aufräumen auf dem Dachboden gefunden. Zwei Kinder aus der Ehe leben beim Vater.

Die Frau hatte im Prozess zugegeben, die Neugeborenen auf den Dachboden gelegt zu haben. Die Schwangerschaften 1996 und 2001 hatte sie verdrängt, verleugnet und verheimlicht. Die Babys brachte sie ohne fremde Hilfe auf der Toilette des Hauses zur Welt. Sie hatte schon bei den polizeilichen Befragungen von einem weiteren toten Säugling gesprochen.Dieses Kind wurde aber an der von ihr angegebenen Stelle nicht gefunden.

Die Ermittler griffen jetzt den ungeklärten Fall von 1988 wieder auf und exhumierten die Leiche, die auf einem Parkplatz in der Nähe von Groß Meckelsen (Landkreis Rotenburg) gefunden worden war.Der Leichnam war wegen der Lackversiegelung des Sargs so gut erhalten, dass eine DNA-Analyse noch möglich war und die Mutterschaft der 44-Jährigen nachgewiesen werden konnte. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft leugnet die Frau aber, für den Tod dieses Neugeborenen verantwortlich zu sein.

Juristische Konsequenzen sind in dem Fall nach Angaben der Ermittler ohnehin nicht möglich, weil die Todesursache des Babys unklar ist und die Tat verjährt ist. Anders wäre es, wenn Hinweise auf einen Mord vorlägen, sagte der Leitende Stader Oberstaatsanwalt Hartmut Nitz. Es sei aber nicht einmal klar, ob das Baby nach der Geburt gelebt hatte.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare