Schlechte Saison

Tourismus im Norden stagniert

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Der Mitarbeiter einer Strandkorbvermietung schiebt einen Strandkob am Nordseestrand von Nebel auf Amrum auf einen Transporter.

Kiel - Schlechtes Wetter als einzige Ausrede gilt nicht. Der Tourismus im Norden bleibt seit Jahren hinter der bundesweiten Entwicklung. Jetzt droht auch noch die EU den Geldhahn zuzudrehen. Wirtschaftsminister Meyer feilt an einer Tourismus-Strategie - und einer neuen Abgabe.

Angesichts des im Norden stagnierenden Tourismus plant Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) die Einführung einer neuen Abgabe. Gemeinden sollen diese Abgabe in Eigenregie erheben dürfen und zur Förderung ihres touristischen Profils ausgeben, kündigte Meyer am Freitag in Kiel bei der Vorstellung des Sparkassen-Tourismusbarometers 2012 an. Offen sei noch, wer genau diese Abgabe zahlen solle - möglichst alle am Tourismus Beteiligten bis hin zum Einzelhandel in den Orten, sagte Meyer. Den Gemeinden solle dabei auch Spieraum gelassen werden. Im November will Meyer ein Strategiekonzept für den Tourismus im Norden vorstellen.

Im vergangenen Jahr stagnierte die Branche zwischen Ostsee und Nordsee. Die Zahl der statistisch erfassten Übernachtungen stieg lediglich um 0,2 Prozent - weit weniger als im Bundesdurchschnitt (3 Prozent). Und auch in diesem Jahr sähen die bisherigen Zahlen kaum besser aus, sagte Meyer. Im Zeitraum 2007 bis 2011 stiegen die Übernachtungszahlen bundesweit um über 12 Prozent, im Norden waren es lediglich 6,4 Prozent. „Wir segeln ziemlich hart am Wind - auch im Vergleich zu anderen", sagte Jörn Klimant vom Tourismusverband Schleswig-Holstein. „Bäume haben wir auch dieses Jahr nicht ausgerissen."

Notwendig sind laut Meyer themenbezogene Urlaubsangebote: „Naturnah, gesundheitsfördernd, Städtereisen." Es gebe immer noch zu wenig ausländische Gäste, dem Trend zu Kurzreisen müsse besser Rechung getragen und das Angebot an Erlebniswelten wie zum Beispiel in Tönning erfolgreich ausgebaut werden.

Laut Meyer ist das Image des Urlaubslandes Schleswig-Holsteins verbesserungswürdig. Viele Bauten stammten aus den 1970er Jahren. Der Investionsstau insbesondere bei kleineren und mittleren Tourismusbetrieben müsse aufgelöst werden - das Land helfe dabei mit verschiedenen Fördermöglichkeiten. Die Energiewende, insbesondere der Bau von Windkraftanlagen, müsse sich nicht negativ auswirken, sondern berge Chancen. Es gelte Urlaubern konkrete Angebote zu machen, solche Windkraftanlagen zu besichtigen.

Eine Gefahr für den Tourismus droht aus Brüssel. Nach den Plänen der EU-Kommission soll es in der künftigen EU-Förderperiode 2014 bis 2020 kein Geld mehr für touristische Infrastrukur geben. Seit 2007 sind dafür 54,1 Millionen Euro in den Norden geflossen. Meyer will bei der Bundesregierung vorstellig werden. Sie solle Änderungen der EU-Pläne erreichen. Bislang sei Berlin hier praktisch untätig gewesen, kritisierte Meyer.

Insgesamt gibt es nach Einschätzung von Tourismusexperten im Norden 76 Millionen Übernachtungen im Jahr. Hinzu kommen 130 Millionen Tagesausflüge. So werde ein Umsatz von 7,5 Milliarden Euro erzielt. Im Jahr 2010 gab es ein Tourismus-Steueraufkommen von 844 Millionen Euro, 263 Millionen Euro flossen davon in den Landeshaushalt Schleswig-Holsteins über den Finanzausgleich zurück. Insofern seien die 1,53 Millionen Euro, die in die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein dieses Jahr fließen, allemal gut angelegt, sagte Meyer. Es dürfe in Zukunft nur nicht mehr sein, dass die Personalkosten höher als die Projektkosten seien.

dpa

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