Briten verzichten auf Bier

Trocken durch den Januar

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Fast das ganze Jahr über drängen sich die Menschen vor und in den Londoner Pubs. Nur im Januar, da bleibt so manches Glas leer.

London - Zu Beginn des Jahres leiden die Pubs im Vereinigten Königreich traditionellerweise unter einer Bierdurststrecke. Das liegt daran, dass Millionen Briten versuchen, in den ersten31 Tagen nach oft feuchtfröhlichen Silvesterfeiern keinen Alkohol zu trinken.

Begonnen hat alles als Initiative der Stiftung „Alcohol Concern“, doch mittlerweile ist der „Dry January“, der trockene Januar, eine Institution auf der Insel. Die Organisation möchte den Menschen nach den mit Sherry getränkten Feiertagen und weinlastigen Weihnachtspartys im Dezember deren ungesunde Trinkgewohnheiten aufzeigen und sie gleichzeitig ändern. Immerhin, so heißt es auf der Website, schlafe man besser, verliere Gewicht und fühle sich allgemein besser. Online können die registrierten Abstinenzler minutengenau verfolgen, wie lange sie bereits durchgehalten haben und wie viel alkoholfreie Zeit ihnen noch bevorsteht.

Doch viele Beobachter kritisieren die Idee eines Ausnüchterungsmonats. Insbesondere einige Ärzte befürchten, dass zahlreiche Menschen ihn nur als Entschuldigung dafür heranziehen, im Anschluss die verpasste Alkoholmenge nachzuholen und exzessive Besäufnisse abzuhalten.

Gesunder Lebensstil durch Januar-Abstinenz

Laut Public Health England (PHE), einer Abteilung des britischen Gesundheitsministeriums, zeigten Untersuchungen jedoch das Gegenteil. „Der trockene Januar hat erfolgreich bewiesen, dass er Leuten hilft, ihren Alkoholkonsum zu mäßigen, und sie von einem gesünderen Lebensstil profitieren“, sagt Professor Kevin Fenton von PHE.

In eine ähnliche Richtung geht die neue Anti-Tabak-Kampagne im Königreich, die ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt läuft, in der sich viele Menschen gute Vorsätze fürs neue Jahr machen. Es sind schockierende Bilder: Verdicktes Blut tropft aus Filtern, mutiertes Fleisch quillt aus Glimmstängeln, graues menschliches Gewebe ersetzt Tabak in Zigaretten. Wer raucht, dessen Körper verfault von innen, so die Botschaft der drastischen Plakate und Fernsehspots. Mit den Schockbildern, die vorangegangene Abschreckfotos weit übertreffen, will PHE erreichen, dass die Menschen grundsätzlich über den Tabakkonsum nachdenken. Es ist die dritte Kampagne dieser Art. „Wir haben die anderen zwei ausgewertet und gesehen, dass sie echte Auswirkungen auf die Öffentlichkeit haben und dazu führen, dass weniger Menschen rauchen“, sagt Sally Davie von PHE.

Auch wenn Zigaretten in Großbritannien so teuer wie in kaum einem anderen europäischen Land sind –, eine Schachtel kostet umgerechnet bis zu elf Euro – rauchen etwa 18,4 Prozent der Engländer. Zu ihnen gehört auch der Politiker Nigel Farage, Chef der europaskeptischen Unabhängigkeitspartei Ukip, der sich öffentlichkeitswirksam am liebsten im Pub mit Zigarette und einem Glas Ale ablichten lässt. Das Rauchen will er zwar nicht aufgeben, doch dem trockenen Januar hat er sich angeschlossen. Bis zum 31. Januar will er sich und seinem Körper eine Alkoholpause gönnen.

Kathrin Pribyl

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